Spaghetti mit Tropfensicherung nach Schwäbischer Tüftler–ART
Wenn ich Spaghetti aglio e olio zubereite, verwende ich stets nur bestes Olivenöl vom Gut Castagnoli bei Castellina in Chianti. Es muss möglichst frisch und leicht beißend im Geschmack sein. Bei diesem Typus „Olio Extra Vergine di Oliva da Agricoltura Biologica“ schmerzt es mich sogar als Reingeschmeckten, wenn Reste des „extra jungfräulichen“ Öls im Messbecher bleiben.
Das führte zu obiger Erfindung und Patent-Anmeldung: auf dem Wassertopf wird der Deckel parallel zu den Seitengriffen gedreht. Ein vom Nachwuchs der 1. oder 2. Generation gehäkelter Topflappen bildet eine ideale stabilisierende Unterlage. Der Messbecher wird so installiert, dass die Tropfen in Ruhe genüsslich in den Schnabel der Pfanne träufeln. Darin werden dann gepresster Knoblauch und klein geschnittene Streifen von Peperoncini kurz und stark erhitzt. Aber keinesfalls angeröstet oder gar gebraten (weil dann ihre Schärfe verloren ginge).
NICHT ganz KINDERSICHER – NICHT UNBEAUFSICHTIGT LASSEN, denn bei ersten Versuchen kann der Messbecher gelegentlich vom Topf rollen. Dabei sollte nicht viel passieren, da ja so gut wie nichts in ihm drin ist. Aber die Flamme unter dem Wassertopf darf nicht ganz aufgedreht sein, sonst müsste eventuell 112 gewählt werden …
Spaghetti mit Tropfensicherung – eine effektvolle, aber etwas heikle Konstruktion

Im Vordergrund Knoblauch und Peperoncini auf Geschirr der florentinischen Marke Ginori, Typ 18. Jh. Daneben aus der Markthalle Stuttgart frisch geriebener Parmesan, Alter 24 Monate. Außerhalb des Bildes großblättrige Petersilie, klein geschnitten.
Alles in allem: ein bescheidenes, vielleicht sogar ein Arme-Leute-Essen – aber köstlich, ähnlich unseren Kartoffeln mit Quark. Auch manche Nordländer können inzwischen nicht mehr davon lassen, wenn sie denn die Spaghetti auch mit dem Zahn fühlen – vorausgesetzt sie sind richtig zubereitet: nämlich „al dente“. Nudelmatsch im Mund ist nichts für Italiener und Italienfreunde.
Wer hätte je gedacht, als vor rund 75 Jahren zahllose italienische Arbeitskräfte nach Deutschland kamen, z. T. beschämend als Spaghettifresser verhöhnt, dass eines ihrer Nationalgerichte bei uns so heimisch werden würde. Es gibt sogar ein deutsches Kochbuch mit dem Titel „Al dente“! Es leben also hoch Spaghetti mit Biss!