Schwäbische Vollblutaraber 1851 in London: Am 1. Mai 1851 wird im Hyde Park die „Great Exhibition of the Works of Industry of All Nations“ im Crystal Palace durch Königin Victoria eröffnet. 94 Länder beteiligen sich, darunter viele deutsche Einzelstaaten, z. T. gemeinschaftlich als Zollverein. 17.062 Aussteller bespielen eine Fläche von 10,5 Hektar. Weltberühmt wird der Kristallpalast, 563 m lang und 124 m breit. Bald bürgert sich für die Veranstaltung, die bis 11. Oktober 1851 dauert, die Bezeichnung „Great Exhibition“ und „Weltausstellung“ ein. Foto Wikimedia

Weltausstellung 1851, Östlicher Hauptgang: in der Mitte Gipsabgüsse von Ludwig Hofers Rossebändigern. Dazu der deutschsprachige Katalog, S. 13, 215, Nr. 105: „Von Hofer, L., Bildh., Stuttgart. – Modelle von Gruppen, die Pferdedressur vorstellend“.
Ich habe mich bisher mit diesem Ausstellungsereignis nicht befasst, wusste nichts von der Beteiligung Württembergs und wenig von der Kunst, die auf dieser Riesenschau technischer Neuerungen auch vertreten war. Maja Klimt, Head of Communications im Goethe-Institut London, findet meine Website im Oktober 2025 und stellt die Verbindung her zu Keith Wood, der an einer Virtual-Reality-Rekonstruktion der Great Exhibition arbeitet.
Alle Fotos von London stammen von Keith Wood, die Stuttgarter vom Autor.
Besuch der Great Exhibition nach 175 Jahren dank Virtual Reality

Keith Wood, VR-Rekonstruktion der Weltausstellung 1851, Bereich Württemberg, Bayern, Zollverein. © https://www.hookedwit.uk/. Vgl. auch Keith Wood: https://youtu.be/HfMN4Do1Ao0

Ludwig Hofer, Rossebändiger, Marmor, Ende der 1840er Jahre aufgestellt vor der Platanenallee im Unteren Schlossgarten Stuttgarts. Foto 2020
Keith Wood plant für seine VR-Rekonstruktion Drohnen-Aufnahmen. Ich teile ihm mit, dass das die Skulpturen unter Bäumen und die berühmte Allee als Naturdenkmal nicht erlauben und sende ihm stattdessen 25 Fotos.

Keith Wood, VR-Rekonstruktion der Weltausstellung 1851, Bereich Württemberg, Bayern, Zollverein

Ludwig Hofer, Rossebändiger, Stuttgart, Unterer Schlossgarten

Weltausstellung, Östlicher Flügel, Druckgraphik 1851
Warum werden mit viel Aufwand und Kosten zwei große Gipsskulpturen – wohl per Schiff – zu einer Industriemesse nach London verfrachtet?
Ich erkläre es mir so: 1817 Gründung des Privatgestüts von König Wilhelm I. Von Anbeginn geht es bei dem mit seinen Privatmitteln finanzierten Unternehmen auch um den europaweiten Verkauf seiner reinrassigen Araberpferde. Daher auch ihre Bekanntmachung durch graphische Wiedergaben, großenteils in französisch, der Diplomatensprache der Zeit.

Ludwig Hofer, Rossebändiger, Stuttgart, Unterer Schlossgarten
Hofer hat es verstanden, König Wilhelm bei seinem Wunsch nach Pferdeskulpturen sich nicht an antike Vorbilder zu halten, sondern besser seine eigenen Leistungen im Bereich der Vollblutaraberzucht vor Augen zu stellen.
Insofern könnte es die Absicht des 70jährigen Königs gewesen sein, dieser Zuchtleistung in London eine weltweite Beachtung zu verschaffen. In der Arbeit von Keith Wood wirkt das heute noch nach.

Keith Wood, VR-Rekonstruktion der Weltausstellung 1851, Bereich Württemberg, Bayern, Zollverein

Ludwig Hofer, Rossebändiger, Stuttgart, Unterer Schlossgarten
Schwäbische Vollblutaraber 1851 in London

Auch diese Druckgraphik von 1851 zeigt die Rossebändiger von ihrer faszinierenden Rückseite.

Ludwig Hofer, Rossebändiger, Stuttgart, Unterer Schlossgarten

Keith Wood, VR-Rekonstruktion der Weltausstellung 1851, Bereich Württemberg, Bayern, Zollverein, Ausschnitt

Ludwig Hofer, Rossebändiger, Stuttgart, Unterer Schlossgarten vor dem bald verschwindenden Bahndamm
In dem „Amtlichen Bericht über die Industrie-Ausstellung aller Völker zu London im Jahre 1851, von der Berichterstattungs-Kommission der Deutschen Zollvereins-Regierungen“ heißt es in „Dritter und letzter Theil“, Berlin 1853, S. 650 f.:
„L. von Hofer, Bildhauer zu Stuttgart (Nr. 105), die Portraitbildungen von zwei Arabischen Vollblutpferden, aus dem Marstalle des Königs von Württemberg, welche, sich bäumend, von zwei unbekleideten Männern gehalten werden, in Marmor ausgeführt und im Schloßgarten zu Stuttgart aufgestellt. Die von diesen beiden Gruppen ausgestellten Gipsabgüsse geben die Eigenthümlichkeiten dieser Pferderace nach Versicherung von Pferdekennern mit vieler Genauigkeit wieder. Ehrenvolle Erwähnung.“
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