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SULTAN MAHMUD, Franz Adam nach Albrecht Adam, 1829, Württ. Landesbibliothek Stuttgart.

Der Atlas-Schimmel (1817-1835) stammt aus der Region zwischen Aleppo und Bagdad. 1828 trifft er in Stuttgart ein. Wegen seiner erstaunlichen Größe werden auch Zweifel an seiner Reinrassigkeit laut. Vgl. dazu Waiditschka 2017, 82 ff.

Gesamtansicht Gestüt Weil Hermann Fleischhauer um 1830

Gestüt Weil von Norden, Hermann Fleischhauer, um 1830, Foto AHW, Altshausen. 

Das uns bereits aus Varianten bekannte Blatt zeigt rechts drei Bauten: das Haus des Oberstallmeisters, den Hengststall sowie die Seitenansicht des Unteren Meiereistalls am heutigen Wannenrain. 

Gestütspläne um 1820 und gegen Ende des Jahrhunderts

Situationsplan Gestüt Weil Hengststall geplanter Beschälstall

Situationsplan, 1897, Stadtarchiv Esslingen

Unabhängig vom geplanten Beschälstall ist dieser Situationsplan von 1897 hilfreich. Man kann die nun zu betrachtenden Vorhaben Giovanni Saluccis besser verstehen. Der Ortsweg heißt heute Klosterallee. Gleichfalls der „Vicinalweg“, der bei Salucci als „Straße nach Scharnhausen“ bezeichnet ist. Jeweils schließt sich der Scharnhauserweg an, über den man nach wie vor über den Berghang Champagne zum nächsten Gestütshof gelangt. Ein schöner Spaziergang.

„Riße über die Erbauung eines neuen Rindviehstalls …“, Büro Salucci, 1818/19, Foto und Besitz Archiv des Hauses Württemberg, Hofkameralämter Bü. 4/24, Altshausen. – Salucci 1995, 125, III.6.

Von links folgen sich die Westfront des Hengststalles, der „Communications-Gang“ im Schatten und als Hauptbau ein großes Stall- und Wohngebäude. Dieses hat 13 Fensterachsen und ist ca. 35,20 m lang (ca. 123 württ. Schuh à 28,64 cm). Rechts ist zum Staig/Berghang gerichtete Seitenfront zu sehen. Unten der Grundriss des Stalls: 28 Tiere sollen zwischen Stiegenhaus und Milchkammer stehen.

Büro Salucci, 1818/19, Foto und Besitz wie oben: AHW, Altshausen. – Salucci 1995, 126, III.9; vgl. auch III.7 und III.8.

Der vorausgehende Plan ist offensichtlich zu groß gedacht. Daraufhin entstehen drei Pläne für einen Rindviehstall ohne Wohngeschoss. Sie sind weniger lang: ca. 33,50 m (=117 Schuh) für 29 Tiere. Treppenstufen führen zu den Stalltüren. Deshalb gibt es oben einen gewiss nachträglichen Hinweis, dass stattdessen zum Stall „gepflasterte schiefe Flächen“ angebracht würden. Es ist anzunehmen, dass Salucci, der andere Aufgaben gewohnt ist, wohl zunächst falsch, weil nicht tiergerecht plant. – Das Taubenhäuschen erscheint nur hier.

Die Entscheidung für den Hengststall

Gestüt Weil Hengststall Grundriss Aufriss Giovanni Salucci

Büro Salucci, 1818/19, Foto und Besitz wie oben, AHW, Altshausen. – Salucci 1995, 126, III.10.

Wichtig ist der Aufriss auf einer Klappe links über dem vertikalen Grundriss. Oben bleiben der Hengststall und der schmale Überbrückungsbau unverändert. Der Rindviehstall ist leicht modifiziert mit mittlerem, nun stufenlosem Zugang. Nur 15 Kühe sind entlang der Straße nach Scharnhausen vorgesehen (heute: um die Ecke geführte Klosterallee). Sie haben mehr Raum, weil weitere 12 Tiere links im Hengstgebäude platziert werden. Alles deutet auf klare und schlichte Funktionalität. Selbst der Güllegraben fehlt im „Durchschnitt“ nicht. 

Obgleich alles schlüssig wirkt, werden die zunächst übereck geplanten Stallungen der Hengste und des Rindviehs schließlich getrennt. Das Rindvieh findet seinen endgültigen Platz jenseits des Mühlbachs am Hangfuß des Weiler Bergs (heute: Wannenrain 1a-1b und 5.

Aufriss und Grundriss Hengststall Gestüt Weil Giovanni Salucci

Ausschnitte aus vorigem, um 90 Grad gedreht. Die Pläne aus dem Archiv des Hauses Württemberg werden 1995 auf der Salucci-Ausstellung gezeigt, doch nicht im Katalog abgebildet. Lengerer veröffentlicht im Jahr 2004 alte Fotos von Weil ohne Kenntnis dieser Pläne. Daher führt die Verbindung von beidem erst hier zu konkreten Ergebnissen. 

Von der vormals hier stehenden Kirche existiert bereits nichts mehr. Aber ältere Gebäudereste werden in den Hengststall integriert. Auf dem Plan ist von einem „Keller“ die Rede und von einem „Rindviehstall im alten Bau, dessen Höhe durch Wegnahme des Entre-Sole-Gebälks vermehrt wird.“ 

Wichtiger aber ist Saluccis Fassadenentwurf zur Straße hin. Alte Fotos belegen, dass dieser nur leicht verändert realisiert wird. 

Stall- und Wohngebäude gegen Westen in Richtung Wannenrain, Maße ca. 30 x 12 m (heute: Klosterallee 31-35), Foto um 1920, nach: Lengerer 2004, 86.

Saluccis Bau lässt nicht erahnen, dass hier einmal eine Klosterkirche stand. Allenfalls der Uhrturm könnte ein Anspielung darauf sein. Salucci sieht in seinem Plan zwei kleine Glocken für ihn vor.