Nilgans, als Entenvogel fast so schön wie die Landsfrau Nofretete. Hier im Yogamodus und so, als wolle sie analog zu Goethes Osterspaziergang sagen: Hier bin ich Tier, hier darf ich‘s sein. Darüber sind Menschen, die im Schlossgarten lagern wollen, nicht immer ganz glücklich.

HÖLDERLIN – LÖWE – VATERLAND: im Mittleren Schlossgarten ein weiterer Löwe, nun aber ruhend und majestätisch. 1923 ohne Auftrag geschaffen von Fritz von Grävenitz (1892-1959). Der junge Bildhauer, Sohn eines Generals, ab 1903 Kadett, ehrt damit sein „Grenadierregiment Königin Olga“, dem er 1911-18 angehört. 1673 gegründet, trägt das Regiment seit 1864 durch Verfügung König Karls den Ehrennamen seiner russischen Gemahlin, der beliebten Zarentochter Olga.

2020 wird Hölderlin gefeiert. Aber wohl kaum mit einem Zitat aus seiner Ode „Männerjubel“. Mit einem Passus daraus nobilitiert Grävenitz sein Denkmal, vereinnahmt damit den Dichter. Im Stil des Sturm und Drang, während der Tübinger Stiftzeit in einer Bude mit Hegel und Schelling, schreibt der 18jährige: „Und du, der Geisterkräfte gewaltigste! / Du löwenstolze Liebe des Vaterlands!“ – Ganz verwunderlich erscheint es bei Grävenitz‘ heroischer Auffassung nicht, dass er bald eine Karriere im Dritten Reich machte.

Am Beginn des Unteren Schlossgartens haben die jungen Männer alle Mühe, ihre Araberhengste neben dem Bahndamm zu beruhigen. Zumal gerade ein Zug gegen den Kopf des hinteren Pferdes zu stoßen scheint. Es ist deshalb gut, dass die Zeit für die Bahn hier bald vorbei ist.

Um 1850: die Rossebändiger Ludwig Hofers (1801-1887) kurz nach ihrer Aufstellung am Beginn der Platanenallee. Zeichnung Friedrich Keller, Litho Eberhard Emminger, Ludwigsburg Museum.

1902: wiederum Mensch und Tier in ruhiger bis lebhafter Bewegung, Foto HdG. Die damals gut 80 Jahre alte Platanenallee erscheint in jugendlicher Frische. Die Rossebändiger, noch heute an ihrem Bestimmungsort, sind der erste von vielen Aufträgen König Wilhelms I. an Ludwig Hofer.

Das gleiche Motiv an einem einmalig klaren Februartag 2020. Hofer, als Jugendlicher bei Isopi ausgebildet, später jahrelang Mitarbeiter von Bertel Thorvaldsen in Rom, gestaltet die Pferde nach Modellen der berühmten Araberzucht des Königs im Gestüt Weil bei Esslingen.

Nach Klarheit und Kälte lockt milderes Märzwetter mehr Menschen ins Freie. – Bald mehr zu diesen Arabern im Ländle.

Von Schloss Rosenstein kommend, ist seit 200 Jahren die Allee aus herrlichen Platanen (vgl. meinen Beitrag 2) Zeugin davon, mit welcher Freude hier Mensch und Tier unterwegs sind. Früher waren es auch Pferde und Reiter. Heute gibt es als tierische Begleiter nur noch Hunde. Und als jüngste Zutat reichlich Graue und Kanadische sowie Gänse vom Nil.