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TAJAR, Rudolf Kuntz, II, 1824, Württ. Landesbibliothek Stuttgart.

Der 1809/10 geborene Hengst wird 1817 mit BAIRACTAR erworben, aber 1826 wegen schlechterer Fohlenleistung verkauft. Obgleich es von ihm 1824 heißt: „In dem herrlichen Bau dieses Thieres, dem feurigen Blick seines Auges, so wie in der hohen Muskel- und Sehnen-Kraft, welche jede Bewegung belebt, spricht sich die Abkunft eines Arabers aus dem edlen Geschlechte der Saklawy Dschedran unverkennbar aus. Bey grosser Lebendigkeit ist dieses Pferd sehr fromm.“ Dem orientalischen Charakter des Pferdes hat Rudolf Kuntz eine entsprechende Phantasielandschaft hinzugefügt.

Gestüt Weil in Gesamtansichten

Das Gestüt Weil in Gesamtansichten von 1830 bis heute: bis zum 2. Weltkrieg besteht die Schönheit der Lage, danach geht sie aber gänzlich verloren.

Gestüt Weil um 1830 mit Bauten von Giovanni Salucci

Weil bei Esslingen mit Bauten von Giovanni Salucci, um 1830, Sammlung und Foto Privatbesitz. 

Die Straße von Mettingen läuft auf das Schlösschen zu. Die Stallgebäude dahinter sind nicht mehr erhalten. Die Domäne ist für Stuten und Stutfohlen bestimmt. Zur Beschälzeit im Frühjahr werden Hengste aus Stuttgart nach Weil geführt.

Aus König Wilhelms Verfügung vom 30. September 1817 geht hervor, dass er im Hinblick „auf den jährlichen Aufwand für das Gestüt zu Closter Weil, und die Fohlenhöfe zu Scharnhausen und Klein-Hohenheim“ bereits Anfang Februar 1817 die Kaufentscheidungen getroffen hat (Waiditschka 2017, 16 f.). Also nur drei Monate nach seiner Inthronisation geht Wilhelm daran, sein Gestütsprojekt in die Tat umzusetzen. Dabei wird er von Anbeginn stark unterstützt von Königin Katharina, gleichfalls eine leidenschaftliche Reiterin und Pferdekennerin.

Gestüt Weil dreimal aus der Vogelperspektive

Gemarkungsplan um 1850 mit den damaligen Bauten vom Gestüt Weil

Gemarkungsplan, um 1850, Ausschnitt, Stadtarchiv Esslingen.

In Weil existiert seit etwa 1230 ein Dominikanerinnen-Kloster. Mehrfach wird es von Esslingen zerstört. Seit der Reformation so gut wie stillgelegt, lebt es seitdem fast nur noch dem Namen nach. Im 30jährigen Krieg niedergebrannt, 1796 unter Beschuss im Kampf zwischen Franzosen und Österreichern, gibt es zuletzt in der ruinösen Klosterkirche nur noch 5 Predigten pro Jahr. 1806 Esslingen zugeteilt, entsteht neues Leben erst ab 1817 dank Wilhelms dort angesiedeltem Privatgestüt.

Der Gemarkungsplan von 1850 zeigt den bis zum 2. Weltkrieg fast unveränderten Baubestand: 1. Schlösschen Weil, 2. Neuer Stutenstall (1972 abgerissen), 3. Alter Stutenstall (der schmalere Teil abgerissen), 4. Haus des Oberstallmeisters (im 2. WK zerstört), 5. ehem. Kirche, dann Hengststall (1972 abgerissen), 6. Oberer Meiereistall (umgebaut), 7. Verwalterhaus (umgebaut); 8. Unterer Meiereistall (abgerissen, Neubau eines Wohnhauses).

Weil, Luftbild 7. Mai 1942, Ausschnitt, Geobasisdaten © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung B-W

Die Gebäude sind wie im letzten Bild nummeriert. Nach 1850 als einziges hinzugekommen: 9. Scheune für Heu und Stroh und 10. Großer Stall von 1858, auch Araberstall genannt.

Weil, Luftbild 11. Juni 2017, Ausschnitt, Geobasisdaten © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung B-W

Weil Weil weiland eine so reizvolle und eigenständige Örtlichkeit war, ist sein heutiger Zustand besonders schmerzlich zu empfinden. Von der großen Gestütsvergangenheit gibt es noch: in gutem Zustand Nr. 1, in schlechtem Nr. 3 und 10 sowie umgebaut Nr. 6 und 7. Derzeit wird die große Wiesenfläche rechts vom Neckar Center mit „Salucci Höfen“ verschlossen.

Gestüt Weil vom Weiler Berg aus

Gestüt Weil gegen Esslingen, Johannes Braungart (1803-1849), Aquarell aus dem König-Wilhelm-Album 1841, verbrannt, Schefold 10 818, Foto © Landesmedienzentrum B-W.

Vorne rechts lenken der Hengststall mit Turm und das Oberstallmeisterhaus den Blick zum Schlösschen hin. Links halbverborgen der Alte und dahinter der Neue Stutenstall.

Gestüt Weil in hellem Mittagslicht, 2. Juli 1928, nach: Lengerer 2004, 34. 

Vorne das Dach des Unteren Meiereistalls, im Mittelgrund die drei Stallgebäude des Stutenhofs, dahinter in der Ferne ein Hauch von Esslingen.