Paul Bonatz, Stadtplan und Gutachten …, Ausschnitt, 30. September 1950, StadtAS, Bestand 9350 Nr. 5008. Bonatz greift in dem riesigen Plan seine Ideen von 1941 wieder auf. Anstelle einer Kreuzung an der B14/Schillerstraße ein Kreisverkehr, in den sein „Parkway“ münden soll. Statt Münze und K-K-Stift ein Ausstellungsgebäude. Links von der Oper statt Reit- ein Musikhaus. Die Carlsakademie weicht einem stattlichen Landtag. Im Gegensatz zu vielen hält er an Naturalienkabinett, Landesbibliothek und Kronprinzenpalais fest. Bald danach werden alle abgerissen.

Ein Blick von Breuninger auf die B14/Hauptstätter Straße und Charlottenkreuzung. Welche grundlegende Verbesserung wird der Wettbewerb erbringen ?!

Horst Linde, Herbert Fecker, Roland Frey, in: StadtBauwelt 1965: Etappen der Umwandlung Stuttgarts in eine autogerechte Stadt. Links die Nachkriegssituation, daneben der Generalverkehrsplan mit krakenhaften Straßenverläufen. Rechts die bereinigte Zukunftsvision: Abbruch und Abschied von Kronprinzenpalais, Planie, Hauptstätter Straße, Carlsakademie, Naturalienkabinett, Landtag, Reithaus, Münze, Eugenstraße, Ovalsee, Parkallee und sogar Königin-Katharina-Stift.

Vogelschau auf das Gelände der ehem. Carlsakademie, April 2018: die Verkehrsführung der B14 und B27 bestimmt die Form des sog. Akademiegartens. Stadträumlich und als Lärmschutz ist hier eine partielle architektonische Einfassung geboten. Wäre das nicht – unter Berücksichtigung klimatischer Bedürfnisse – ein idealer Ort für das neue Linden-Museum ?  Zum wesentlichem Teil errichtet auf aufzugebenden Fahrspuren ? Und nicht breiter als die beiden früheren Seitenflügel der Carlsakademie, sodass der alte Baumbestand und den Löwenbrunnen auf keinen Fall tangiert würde ?!

James Stirling sieht hier 1987 in Verlängerung des Schlossflügels einen Neubau vor, der dem Akademiegarten und Landtag Halt verleiht. Thourets Schlossgarten wird in wesentlichen Teilen wieder hergestellt. Den Zugang zum Kulturquartier akzentuiert ein Turmbau am Ort der abgesenkten Turnhalle des K-K-Stifts. 

Paul Bonatz, Landtagswettbewerb 1955, modifiziert seine Idee von 1950: Plenarsaal in einem rückseitigen Anbau des Schlosses, Verwaltung in zwei Flügelbauten, ähnlich denen der Carlsakademie. Die Grundform der Akademie ist durch Bepflanzung ebenso erhalten wie Thourets Schlossgarten und das Kronprinzenpalais als Zielpunkt der Planie. 

Nochmals Stirlings Beitrag auf dem Internationalen Symposium von 1987: Aufwertung des Kulturquartiers in vielfältiger Weise: seine Nr. 5 wird in ähnlicher Art durch Lederer Ragnarsdóttir Oei gerade realisiert. Könnten nicht auch seine Nrn. 3 und 10 Anregungen geben ? Sowie auch seine Wiederbelebung des für die Stadtentwicklung so grundlegenden Schlossgartens von Thouret ?