Eine Ablenkung in Corona-Zeiten, die am Schlossplatz beginnt.

Nach Erhebung Württembergs zum Königreich 1806 beauftragt König Friedrich Hofarchitekt Nikolaus Thouret (1767-1845) mit der Planung eines für die Öffentlichkeit bestimmten Schlossgartens. Der aus Rom stammende Hofbildhauer Antonio Isopi (1758-1833, seit 1793 im Ländle) hat zwei monumentale Wappentiere auszuführen. Ziel ist die Aufwertung der kleinen, plötzlich königlichen Residenzstadt mit ihren gut 20 Tsd. Einwohnern.

Isopis Wappentiere Löwe und Hirsch eröffnen prachtvoll den Hof des Neuen Schlosses. Ausgeführt werden sie als erster monumentaler Eisenguss des Landes im Hüttenwerk Wasseralfingen. Wegen technischer Probleme zieht sich die Vollendung bis 1823 hin. Links (heraldisch gesehen rechts und damit vorrangig) der staufische Löwe, machtvoll und brüllend. Als steigendes Wappentier stützt sich der Löwe auf Trophäen wie Helm und Schuppenpanzer. Er präsentiert den Wappenschild des Landes mit den drei württembergischen Hirschstangen und drei schreitenden Löwen (heute sogar bei Go-Ahead). Wie sein Pendant ein Meisterwerk in Entwurf und Ausführung.

Der württembergische Hirsch, ein stolzer, röhrender Zwölfender, modifiziert auf elegante Weise die Haltung seines Gegenübers. Beide stehen auf Postamenten, die der Florentiner Antonio Salucci (1769-1845), Lieblingsarchitekt von König Wilhelm I., entworfen hat. Darauf antikische Trophäen, gebildet aus einem Rundschild, zwei gekreuzten Schwertern mit Scheiden und einer Streitaxt inmitten eines Rutenbündels, geschmückt mit Kranz und Laub – alles zusammen ein mehr dekoratives als aufdringliches Triumph- und Machtsymbol.

1889, 14. Oktober: Schlossplatz, Feierliche Enthüllung des Standbilds von Herzog Christoph von Württemberg, Foto AHW (Archiv des Hauses Württemberg), Altshausen. Honoratioren und Militär auf dem Platz, enormes Menschengedränge auf der Königstraße und Zuschauer sogar auf den Dächern.

Denkmal Herzog Christoph von Württemberg von Paul Müller (1843-1906), enthüllt am 14. Oktober 1889 auf benachbartem Standort. Herzog Christoph (1515-1568), in schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen, zeitweilig am Hof Kaiser Karls V. und König Franz I. von Frankreich, ab 1542 Statthalter von Mömpelgard/Montbéliard, residiert seit den 1550er Jahren im Alten Schloss. Müller präsentiert ihn in prächtiger Renaissancekleidung. 

Laut Inschrift unter dem Relief: „Christoph wird die Bestellung zum Schwäbischen Kreisobersten ueberbracht 1556“, signiert Paul Müller und 1888 datiert. Drei weitere Reliefs mit Schlüsselszenen aus Christophs Leben lohnen die Erkundung.

Im Rücken des Neuen Schlosses zieren Löwen den Brunnen von Nikolaus Thouret, mit dem König Friedrich 1811 den Hof  der Carlsakademie schmücken lässt. Wappenschilde erscheinen im Wechsel mit den verschlungenen Buchstaben F und R (= Federicus Rex = Friedrich König). Dazu Girlanden, Ordensketten und Königskronen, mit dem sich das kleine Land und sein angeblich 2,11 m großer, schwergewichtiger Herrscher mit Stolz in Szene setzen. Überhöht wird das Ganze von einem weiteren hoheitsvollen Tier, einem bekrönten Adler.  Auf ihm hat sich etwas despektierlich eine Taube niedergelassen. 

Während der Winterzeit sprudelt kein Wasser, doch gibt es unter den Schilden phantasievolle Wasserwesen mit Dreizack, gebildet aus Löwen-, Pferde-, Fisch- und Schlangenteilen. 

Eberhardsgruppe, 1881, Oberer Schlossgarten, ein früheres Werk von Paul Müller, entstanden zum 75jährigen Bestehen des Königreichs Württemberg. Es basiert auf Justinus Kerners 1818 verfasstem populären „Lied der Württemberger“, der Ballade „Der reichste Fürst“: „Ich mein Haupt kann kühnlich legen / Jedem Untertan in Schoß.“ 

Ihre erste Aufstellung findet die Skulptur in der großartigen, 1959 zerstörten Platanenallee des Schlossgartens und zwar vor dem Rondell, das etwa im Bereich der heutigen S21-Grube liegt. Da es damals noch keine Schillerstraße gibt, ist das Denkmal vom Schloss aus schon von weitem gut zu sehen. Die Postkarte von 1890 im HdG stammt von Hermann Brandseph (1857-1907), dem viele Ansichten des alten Stuttgart zu danken sind. 

2010 steht die Eberhardsgruppe in der Nähe des Landespavillons im Mittleren Schlossgarten. Dort wird sie im Zuge des hoch schäumenden Widerstands gegen Stuttgart 21 noch mehr als derzeit malträtiert.

Ein Trostbild im März 2020: Stuttgarter im Blütentraum vom Ende der Corona-Krise, vom Rückbau der B14, der Sanierung der Oper und der partiellen Wiederherstellung der Parkanlagen Thourets.