Abed aus Aleppo formt unaufgefordert ein Herzzeichen vor Banksys weltbekanntem, weil 2018 teils geschreddertem Werk „Love is in the Bin“, zu Gast im Museum noch bis 02.02.2020

Die syrischen Drillinge Tash, Sham und Abed aus unserer Nachbarschaft haben uns im November 2018 zu ihren Großeltern erkoren. Wöchentlich sind sie seitdem bei uns.

Zu ihrem 10. Geburtstag laden wir sie zu ihrem ersten Besuch eines Kunstmuseums ein.

Banksys letzte Zwiesprache mit einem Werk der Staatsgalerie findet auf schöne Weise im Übergangsraum von Alter zur Neuer Staatsgalerie statt.

Hier „irrt“ Marcel Broodthaers mit einer Tafel aus seinem berühmten “Ensemble des Plaques Service Publicité“ von 1972. Enfants sont admis / Kinder sind zugelassen, heißt seit langem die Devise der Staatsgalerie, bis 20 haben sie jetzt sogar freien Eintritt. 

Auch ein Kurzbesuch der schönen Tiepolo-Ausstellung gehört zum ersten Kennenlernen einer Bildergalerie. Dort findet sich das altvertraute, glanzvolle Bilderpaar mit Rinaldo und Armida aus der Alten Pinakothek.

Überraschend und belebend in der Tiepolo-Ausstellung wirkt die Einbeziehung einiger Werke des Foto- und Video-Künstlers Christoph Brech (*1964). Für einen Sekundenbruchteil sehen hier die Alten in seinem Werk „Punto di vista“ von 2019 fast geschreddert wie bei Banksy aus, während Abed, Sham und Tash ihre Frische selbst in der Verzerrung bewahren.

Voller Hingabe und Schmerz blickt Rinaldo zu seiner verführerischen Armida. So wie sie den Kreuzritter verzaubert, so bezaubert die Tiepolo-Ausstellung einen ganzen Strom von Besuchern. Rinaldo findet schließlich die Kraft zum Abschied. Und auch das Staatsgaleriepublikum muss allmählich an Trennung denken. Dem Glück, Tiepolo zu begegnen, einem der großartigsten Maler Venedigs, kann man sich nur noch eine gute Woche überlassen. 

Schluss ist wie bei Banksy am 02.02.2020.