Die gemeinschaftliche Blätterfülle aller drei Bäume im Mai 2019. Linker Hand in der Ferne der bewaldete Höhenrücken entlang des Neckartals.

Mai 2018 gegen Mittag: eine Asiatin kümmert sich um die kleine Tochter. Die Pracht der Bäume gelangt zu großartiger Wirkung im Gegenlicht, fernere Büsche glänzen in helleren Grüntönen. 

Ganz anders die Stimmung am frühen Nachmittag im letzten Januar. Das durchscheinende Blattwerk des Winters ist von fast raumloser Durchlässigkeit.

Schon klarere Lichtverhältnisse Ende Februar 2020

Eine weitere Skizze von Julius Steinkopf vom 5. Juli 1837: Hauptthema scheint diesmal die Einbeziehung der alten, bald danach abgerissenen Kirche des Dörfchens Berg zu sein. Im Tal ist der gewundene Verlauf des Neckars zu erkennen. Die Häuser zu Füßen des Kirchhügels gehören zu dem Mühlenbereich, der sich an einem Nebenarm des Flusses entwickelt hat. 

Ein Stimmungsbild vom gleichen Standort im vergangenen Januar bei kalter, klarer Winterluft. In der Mitte ist hinter Astwerk die heutige Berger Kirche auszumachen. Ab dem Frühjahr wird wieder die gesamte Ferne hinter dem Blattwerk verschwinden. Eigentlich schade, denn man sollte Schloss Rosenstein als eine der Sehenswürdigkeiten Stuttgarts besser wahrnehmen können.  Am besten so wie um 1830.

Gottlob Friedrich Steinkopf, Schloss Rosenstein und das Neckartal, 1828, Besitz und Foto Staatsgalerie Stuttgart; einst weit bekannt durch Edie im letzten Beitrag gezeigte Lithographie. Am Neckarknie sieht man das Schlösschen Bellevue (heute Garagenzufahrt Wilhelma), von dem aus sich auch ein „Schönblick“ auf das Flusstal bot. Darüber der königliche Landsitz.

Diese malerische Überhöhung der Heimat in eine Art schwäbisches Arkadien veranlasst Gustav Schwab (1792-1850) zu einem Gedicht im Entstehungsjahr des Gemäldes. Es endet (zit. nach Ausst. Kat. Schwäbischer Klassizismus, Staatsgalerie 1993, Nr. 290): „Nein, es ist kein fernes Thal, / Schwaben, Schwaben allzumal! / Welch ein herrlich Land mein eigen, / Muß mir‘s erst der Maler zeigen? // Nicht zur duft‘gen Ferne hin / Strebe, ruheloser Sinn! / O wie süss im Nachbarthale / Ruhet sich‘s im Sonnenstrahle!“

Man sollte heute manches Buschwerk etwas zurückschneiden oder beseitigen, um auch einen ähnlich freien Blick auf Saluccis schönen Bau von vielen Seiten zu gewähren. Hier wenigstens brauchte der Schwabe einmal sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Er sollte Schloss Rosenstein als weithin sichtbare Sehens-Würdigkeit präsentieren. 

Zum Schluss die berühmte Platanenallee, Winter 1929, Foto WLB.  – Ob sich die Bäume und der Blickwinkel finden lassen ?!

Auf dem Rückweg von Schloss Rosenstein gibt es bald nach dem rund 100 Jahre alten Knick der Allee (vgl. Beitrag 2) linker Hand einen größeren Abstand zwischen zwei Bäumen und dazwischen in halber Ferne auch die herrliche Platane von 1929. Nach 91 Jahren – im Grunde schon seit ihrer Pflanzung 1812/13 – sind die gleichen Bäume Zeugen davon, mit welcher Freude hier alles unterwegs ist. Menschen wie Tiere, heute Hunde, früher auch Pferde mit Reitern. Dafür neuerdings Graue, Kanadische sowie Gänse vom Nil.