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Gestüt Weil, Plan für einen Stutenhof aus Reithalle und Stallungen, Giovanni Salucci, mit französischen Erläuterungen, 1818/19, Foto und Sammlung Ludwigsburg Museum, Inv.Nr. 2182. – Salucci 1995, 26. 

Der italienische Architekt und seine großen Pläne

Salucci gehört von 1797 bis zu Napoleons Niedergang dem französischen Militär an, zuletzt als Offizier. Der hochgewachsene und hochfahrende Florentiner ist in Haltung und Auftreten ein Freund des Soldatischen, was ihn mit dem König verbindet. Vielleicht auch deshalb hat er in Stuttgart mancherlei Schwierigkeiten. Da er kein deutsch kann, kommuniziert er auf französisch.

Für das etwas abgelegene Gestüt schlägt Salucci mit dieser eindrucksvollen und von ihm oben signierten Darstellung eine große Dreiflügelanlage vor. In der Mitte soll es eine „Manège“ – eine Reithalle – mit seitlichen Stallungen für 28 Pferde geben und als Flügelbauten zwei Stutenställe. Realisiert wird davon ab 1820 nur der rechte Stall. Der Alte Stall wird dem neuen angeglichen durch neue Bogenfenster und einen etwas niedrigeren Anbau. Erst 1858 entsteht an der Stelle von Saluccis vorgesehenem Hauptbau der anspruchslosere, noch existierende Große Stall, der sog. Araberstall. Damals hatte sich Wilhelm schon längst in Stuttgart als letztes Werk seines Hofarchitekten eine Manege – sein Reithaus an der Neckarstraße – errichten lassen. Später mehr davon.

Vollblutaraber Stute Hasfoura vom Gestüt Weil

HASFOURA, Rudolf Kuntz, II, 1824, Württ. Landesbibliothek Stuttgart

Schimmel mit schwarzer Mähne, *1811, von Königin Katharina erworben, 1819-30 in Weil. Beschrieben als: „eine Stute von höchstem Adel. Der regelmässige, muskulöse Bau ihres Körpers, die feinen Nüançen in all‘ ihren Formen, so wie die Leichtigkeit und Schnelligkeit ihres Laufes machen sie zu einer Haupt-Zierde des Gestütes.“

Der realisierte Stutenstall

Gestüt Weil Gesamtansicht Graphik um 1830

Gestüt Weil, Hermann Fleischhauer, um 1830, Foto und Sammlung Städtische Museen Esslingen.

Der Neue Stutenstall ist der langgestreckte Bau rechts vom Schlösschen Weil.

Der Neue Stutenstall vom Gestüt Weil Risse von 1825

Gestüt Weil, ehem. Klosterallee 12: Risse des neuen Stalls für 36 Stuten, Büro Salucci, um 1820, nach: Weckherlin 1825, 147 (mit genauen Angaben zu Bauweise und Materialien). 

Es ist eine Freude, sich anhand solcher Risse den fast gänzlich verlorenen Stall zu vergegenwärtigen. Seine Länge beträgt 200 württ. Fuß (= 28,64 cm), also gut 57 m, seine Breite ca. 12,6 m, seine Höhe ca. 9,5 m. 

Der Neue Stutenstall vom Gestüt Weil Beschreibung 1825

Gestüt Weil, Neuer Stutenstall, nach: Hügel-Schmidt 1861. 

Eine Detailaufnahme hätte es auch getan, wäre aber nicht aussagekräftiger. Deshalb biete ich den Interessierten auch die Beschreibung, die den Vorstellungen des Königs und seiner Fachleute entspricht.

Giovanni Salucci Entwurf des Neuen Stutenstalls und Risse der Ausführung von 1825

Gestüt Weil, Neuer Stutenstall, Giovanni Salucci, Entwurf 1818/19, Details aus den obigen Plänen. 

Stuten und Fohlen bleiben hier jeweils bis Anfang September zusammen. Dann gelangen die Stutfohlen nach Scharnhausen, die Hengstfohlen nach Kleinhohenheim.

anschaulichste Darstellung des Neuen Stutenhofs vom Gestüt Weil Zustand 1865

Nach Schmidt 1865. 

Vom Schlösschen Weil führt die gut 300 m lange Klosterallee nach Westen zum Weiler Berg. Nach 100 m geht nach rechts und Norden der Gestütsweg ab. Klosterallee 12 wäre heute die Adresse von Saluccis Neuem Stutenstall, hier rechts im Bild. Davon existiert nur noch ein kleiner Rest. Nach Norden schließt der Große Stall mit seinen seitlichen Scheunentürmen den Hofbereich ab. Links der Alte Stutenstall mit seinem Anbau. Zwischen den Stallbauten gibt es einen Tummelplatz mit Tränkebrunnen für die Pferde.

Giovanni Saluccis Neuer Stutenstall vom Gestüt Weil um 1890 – abgebrochen 1972

Saluccis Stutenstall, nördliche Giebelseite, um 1890, Foto Stadtarchiv Esslingen

In den 36 Boxen des Stalls, je ca. 2,80 x 3,40 m groß, stehen Stuten mit ihrem Nachwuchs, ohne angebunden zu sein. Die Fohlen bleiben etwa 20-28 Wochen bei den Müttern.