Santo Spirito in Florenz: Altäre um 1500. Die Hauptkirche des Stadtteils Oltrarno ist ein Spätwerk des Architekten Brunelleschi. In Seitenkapellen sind in einmaliger Weise Altäre mehr als ein halbes Jahrtausend fast unverändert erhalten.

Cappella Velluti: Domenico di Zanobi, Madonna del Soccorso, um 1485, Holz
Die Angst vor dem Teufel und einem ewigen Ende in der Hölle sind Gründe für einen christlichen Lebenswandel. Hier ist ein Baby in Gefahr. Die verschreckte Mutter wendet sich an die große „Madonna der Hilfe“. Der kaum bekannte Künstler (tätig zwischen 1467 und 1481) veranschaulicht in etwas schlichter, aber eindringlicher Weise die Hoffnung auf Beistand gegen eine garstige Teufelsfigur.
Hauptwerk von Filippino Lippi noch an seinem Bestimmungsort

Cappella Nerli: Filippino Lippi (ca. 1457-1504), Madonna mit Kind und Johannesknaben zwischen den Hl. Martin von Tours und Katharina von Alexandria,1485/88, Öl auf Holz, 160 x 180 cm
Der Künstler platziert das Geschehen in einer florentinischen Loggia. Die Heiligen empfehlen das angesehene Stifterpaar dem Schutz der Madonna. Tanai de‘ Nerli (1427-1498) und seine Frau Nanna di Neri Capponi bewohnen den Nerli Palast in Borgo San Jacopo. Man sieht ihn halb rechts. Dahinter erkennt man eines der Stadttore. Das Ehepaar hat 10 Söhne und 6 Töchter.
Sansovinos frühes Meisterstück

Cappella Corbinelli: Andrea Sansovino (1465/70-1527), Sakramentsaltar, um 1491/94, Marmor
Das Foto zeigt den Hauptteil des Altars ohne seitliche Wandverkleidungen des Barock. 1485 erhält die reiche und einflussreiche Familie Corbinelli das Privileg, das Hl. Sakrament der Kirche zu hüten. Dies basiert auf der Stiftung eines Matteo di Jacopo Corbinelli von 1421, daher die Heiligen.

Der junge Sansovino gestaltet die Hauptfront als Triumphtor frei nach dem Konstantinsbogen in Rom. Das Ziborium rahmen die Nischenstatuen des Matthäus und Jakobus. Unter ihnen auf der Predella das Martyrium des Matthäus und rechts nach der Legenda Aurea Jakobus mit dem Magier Hermogenes. In der Mitte das Letzte Abendmahl. Über den Heiligen die Tondi mit der Verkündigung an Maria. Sansovino präsentiert sich als geistreicher und großer Nachfolger von Donatello und Desiderio da Settignano.
Santo Spirito in Florenz: Altäre – eine weitere Corbinelli-Kapelle

Cappella Corbinelli: Donnino (1460-nach 1515) und Agnolo (1466-1513) di Domenico del Mazziere, Altarretabel mit der Dreifaltigkeit und den Hl. Maria Magdalena und Katharina von Alexandria, Altartafel 157 x 174,5 cm. – Auf der Predella (19 x 225 cm) die Kommunion Magdalenas, die Geburt Christi und das Martyrium Katharinas sowie das Stifterpaar samt Wappen. – Vor der Altarmensa ein prachtvoll auf Holz gemaltes Antependium (85 x 231,5 cm), das einer Brokatdecke gleicht, mit Magdalena, der die Kapelle geweiht ist.

Die Altartafel eines erst seit kurzem bekannten Brüderpaares der Familie del Mazziere unterscheidet sich von der Monumentalität Masaccios in Santa Maria Novella (s. oben) durch erzählerischen Reichtum des späten 15. Jh.
Raffaellino del Garbos einzig erhaltener Altar

Cappella Segni: Raffaellino del Garbo (1466/70-1524), Madonna mit Kind zwischen den Hl. Johannes Evangelist, Laurentius, Stephanus und Bernhard, 1505. Das gemalte Antependium mit Stephanus wird den Brüdern Donnino und Agnolo di Domenico del Mazziere zugeschrieben. Der Altar wurde von Bernardo di Stefano Segni beauftragt. Er ist der einzige erhaltene von ursprünglich fünf Altären, die Raffaellino für die Kirche ausführte.

Zuseiten des Thrones sitzen die in Florenz und besonders in Santo Spirito so beliebten Erzdiakone, die früh einen Opfertod fanden durch Grillen und Steinigung. Vorne befinden sich große Autoren und Deuter religiöser Texte: Johannes mit seinem Adler und Bernhard von Clairvaux, den ein Teufel zu ärgern versucht. Die Predella zeigt eine Engelpietà und Szenen aus dem Leben der Heiligen.
Santo Spirito in Florenz: Altäre – Teufel am Anfang und Ende

Ich schließe die Reihe von Altären in Santo Spirito, wie ich sie begonnen habe: mit einem kleinen Teufel. Mit finsterer Miene bemüht er sich erfolglos dem Heiligen das Buch zu entreißen. Ähnlichen Ärger gibt es bei Raffaellino del Garbos Lehrer Filippino Lippi in der Badia Fiorentina, s. oben.