Filippino Lippi in Florenz: Hauptthema ist ein absolutes Meisterwerk in der wenig bekannten Badia Fiorentina. Die frühere Abtei liegt gegenüber vom Bargello.

Filippino Lippi, Anbetung des Kindes, ca. 1478/80, Tempera auf Holz, 96 x 71 cm, Florenz, Uffizien

Filippino Lippi (um 1457-1504) begegnen wir hier auch in der Cappella Brancacci, Santo Spirito und in der Cappella Strozzi. Dieses Andachtsbild malt er in seinen frühen Jahren. Noch steht er unter dem Einfluss Botticellis. In dem verbreiteten Bildtypus kümmert sich Maria nicht mütterlich um ihr Kind, sondern betet es an als Sohn Gottes. Die horizontal begrenzte Blumenfläche erinnert an Leonardos frühe Verkündigung.

Filippino Lippi in Florenz, Vision des hl. Bernhard

Florenz – Filippino Lippi: Vision des hl. Bernhard, Badia Fiorentina

Filippino Lippi, Vision des Hl. Bernhard, 1482/86, Tempera auf Holz, 210 x 195 cm, Florenz, Badia Fiorentina

Der heilig gesprochene Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153) ist einer der großen Mystiker, Verehrer der Muttergottes und Kirchenlehrer des Mittelalters. In felsiger Landschaft steht ihm die jugendliche Maria in Begleitung von vier hinreißenden Engeln unvermittelt vor Augen. Schönheit und Eleganz, erlesene Farbigkeit sowie Lebendigkeit der gesamten Darstellung machen das Bild zu einem Meisterwerk des Künstlers. Zugleich ist es auch ein Höhepunkt der florentinischen Frührenaissance. Auftraggeber ist der Kunstmäzen Piero del Pugliese (1430-1498) unten rechts. Ein kleiner Teufel versucht darüber seine Kette zu zerbeißen.

Maria und Bernhard im Zwiegespräch mit neugierigen Engeln

Der Abt ist im Freien ins Schreiben vertieft, hinter ihm ein Stillleben aus Büchern. Da steht plötzlich die Jungfrau Maria in ruhiger Hoheit vor ihm und weist mit ihrer Rechten auf eine Textstelle, die wohl zu verbessern ist. Der hl. Abt blickt ehrfurchtsvoll auf und scheint mit sprechender Handgebärde seine Auffassung zu erläutern.

The abbot is engrossed in writing outdoors, with a still life of books behind him. Suddenly, the Virgin Mary stands before him with serene dignity and points with her right hand to a passage in the text that likely needs to be corrected. The holy abbot looks up reverently and seems to explain his view with an expressive hand gesture.