Florentinische Stadtansichten. Foto Fratelli Alinari um 1870, erworben direkt bei Alinari um 1970: Kuppel und Campanile des Domes von Osten, Detail
Innerlich angeschlagen vom Tod meiner Frau Anfang 2024, ist im vergangenen Oktober ein einwöchiger Aufenthalt in Florenz für mich von großer Bedeutung. Ich fühle mich wohl in der Stadt, seitdem ich vor 60 Jahren dort mit meiner Dissertation begann und insgesamt fast 10 Jahre in ihr zuhause war.
Während dieser einen Woche habe ich eine große Zahl von Spitzenwerken der Malerei und Skulptur fotografieren können. Hiermit beginne ich die Veröffentlichung der Bilder.
Denken ist interessanter als Wissen, aber nicht als Anschauen.
Das schreibt Goethe in seinen Maximen und Reflexionen.

Ich starte mit dem Wahrzeichen der ganzen Stadt, der weltberühmten Kuppel des Domes von Filippo Brunelleschi.
Turmblicke vom Palazzo Vecchio

Die Blicke auf die Stadt stammen fast alle vom Turm des Palazzo Vecchio. Sie sollen der räumlichen Orientierung beim Aufsuchen der Kunstwerke dienen.
Den Türmer Lynkeus, dem ich mich sehr verwandt fühle, lässt Goethe in Faust II sagen:
Zum Sehen geboren,
Zum Schauen bestellt,
Dem Turme geschworen
Gefällt mir die Welt.
Florentinische Stadtansichten: der Norden der Stadt

Blick vom Turm des Palazzo Vecchio auf die Piazza della Signoria in Richtung Norden. Von links das Dachgeschoss von Orsanmichele, die Kuppel der Cappelle Medicee als Teil von San Lorenzo, der Dom, der spitze Turm der Badia Fiorentina und die wehrhafte Architektur des Bargello.

Die Kathedrale Santa Maria del Fiore wirkt wie eine Krone von Florenz. Der Stadtkern gehört zum Weltkulturerbe. Es gibt hier keinen modernen Bau, keine Werbung noch künstliches Licht über den Dächern. Links vom Campanile sieht man das Baptisterium.
Florentinische Stadtansichten: Süden

Blick nach Süden: jenseits des Arno ansteigendes Gelände. Von der Fortezza del Belvedere (= Schönblick) über dem Boboligarten bietet sich ein vergleichbar schöner Rundblick auf die Stadt wie vom Turm des Palazzo Vecchio oder der Domkuppel.

Im Osten dominiert die Kirche Santa Croce das Stadtbild. In der bewaldeten Hügellandschaft jenseits des Arno gibt es abgelegene Villen und kleine Ortschaften mit wunderbaren Fernsichten in Richtung Westen bis hin zu den Bergzüge um Carrara. Von dort stammt der weiße Marmor der meisten Skulpturen.
Florentinische Stadtansichten: der südwestliche Teil der Stadt

In Richtung Südwesten hat man vom Palazzo Vecchio zunächst die Dachterrasse der Loggia dei Lanzi vor Augen mit dem Café der Uffizien. Jenseits des Arno liegt das Viertel von Santo Spirito, dessen Kuppel und Turm in der Bildmitte schwach zu erkennen sind. In der Ferne sieht man die Höhenkämme des Chianti.
Florentinische Stadtansichten in Richtung Westen: der Arno, Fluss der Toskana

Der Arno teilt die Stadt: links das Viertel Oltrarno (= jenseits des Arno) mit Santo Spirito. Hinter den fernen Höhenzügen liegt die Meeresküste.

Ein Blick aus den Uffizien auf den Ponte Vecchio mit seinen Läden und darüber der Corridoio Vasariano. Flussabwärts folgen der Ponte alle Grazie und der Ponte alla Carraia. Links über den Dächern der Turm von Santo Spirito und in der Ferne die Kuppel von San Frediano in Castello.
Florentinische Stadtansichten Arno abwärts: das Wehr Pescaia di Santa Rosa

15. Mai 2015 um 20:43 Uhr: Blick vom Ponte alla Carraia flussabwärts. Als dunkle Linie zeichnet sich das Wehr Pescaia di Santa Rosa ab. Mönche der Kirche Ognissanti haben es im Mittelalter errichtet, um die Wasserkraft zu nutzen. Daher rührt die Ruhe der Wasserfläche vorne.

Blick am Abend vom Ponte Amerigo Vespucci in umgekehrter Richtung auf das Wehr Pescaia di Santa Rosa in der Nähe von San Frediano in Cestello, aufgenommen 2016.
Florentinische Stadtansichten: ein Blick zurück

Florenz im 17. Jh. von Südwesten. Vorne das noch existierende Stadttor von San Frediano von 1332. Oberhalb davon das Wehr und die Ponte alla Carraia. Die Höhe über Oltrarno und dem Giardino Boboli gipfelt in der Festung Belvedere. Auf der nördlichen Seite des Arno das Stadtzentrum mit Dom. Noch ist die Stadt innerhalb der Mauern nicht ganz besiedelt, geschweige denn die Talflächen außerhalb.
Gibellina und die heilende Kraft der Kunst – ein kleiner Exkurs

Gibellina Vecchia, eine abgelegene Örtlichkeit im Westen von Sizilien
Im Herbst 2016 verbringen meine Frau und ich mit unserem Freund und Trauzeugen Wilhelm Vossenkuhl, Philosoph an der LMU München, einige Ferientage bei Trapani. Auch er ist damals Witwer seit einem dreiviertel Jahr. Er führt uns nach Gibellina Vecchia, ein Dorf aus dem 14. Jh. Ein Erdbeben hat es 1968 ausgelöscht bis auf zwei Hausruinen.
In the fall of 2016, my wife and I spent a few days on vacation near Trapani with our friend and best man, Wilhelm Vossenkuhl, a philosopher at LMU Munich. He, too, had been a widower for three-quarters of a year at that time. He took us to Gibellina Vecchia, a 14th-century village. An earthquake in 1968 wiped it out, leaving only the ruins of two houses.
Wilhelm Vossenkuhl in Gibellina

Wilhelm Vossenkuhl am 13. Oktober 2016 im ehemaligen Gibellina. Der Künstler Alberto Burri hat die Fläche des Dorfes mit Beton zugedeckt und dabei die alten Gassen als Wege erhalten. Er hat Gibellina in eine Art monumentales Grab verwandelt und ein weltweit einzigartiges Kunstwerk geschaffen. Wir sind dort allein.
Der Hauch der Kunst

COSA SAREBBE L’UOMO SENZA IL SOFFFIO RIGENERATORE DELL‘ ARTE ? – Das steht auf einer der beiden Hausruinen. „Was wäre der Mensch ohne den wiederbelebenden Hauch der KUNST?“. Das durfte ich bei meinem Aufenthalt in Florenz und dem Wiedersehen mit altvertrauter Kunst erfahren.
COSA SAREBBE L’UOMO SENZA IL SOFFIO RIGENERATORE DELL’ARTE? – That’s what’s written on one of the two ruined buildings. “What would humanity be without the revitalizing breath of ART?” I was able to experience this during my stay in Florence and my reunion with art I’ve known for so long.
Lieber Christian – es ist schön, auf Deinen und Ingas Spuren durch Florenz zu wandern – es frischt auch meine eigenen Erinnerungen auf.
„What would man be without the revitalizing breath of ART?“ Mir spricht dieser Satz aus dem Herzen.
Mit lieben Grüßen von Deiner Richild
Lieber Christian,
Was für schöne Ansichten von Florenz! Herzlichsten Dank dafür. Deine Erinnerung an unsere gemeinsame Reise nach Gibellina Vecchia hat mich sehr berührt.
Herzlichsten Dank!
Dein Willi