Michelangelo, Tondo Pitti, Detail. Marias Blick ist ähnlich wie bei der Madonna an der Treppe unbestimmt in die Ferne gerichtet. Ein Cherub auf ihrem Stirnband deutet die Gottesnähe an. Sie wird wohl den frühen Tod ihres Sohnes vor Augen haben.

Michelangelo, Madonna mit Kind, Tondo Pitti, 1503/04, Marmor, 85 x 82 cm, Florenz, Museo del Bargello
Das Rundrelief, nach dem Auftraggeber Bartolomeo Pitti meist „Tondo Pitti“ genannt, entsteht neben der Arbeit am David und bleibt bei Michelangelos Übersiedlung nach Rom unvollendet. Groß und fast den Rahmen des Tondo sprengend, sitzt Maria auf einem Steinblock, ähnlich wie die Madonna an der Treppe. Sie hält ein offenes Buch auf den Knien, auf das sich das Jesuskind wie müde aufstützt.
Michelangelo, Tondo Pitti: das Non-finito

Aufschlussreich für Michelangelos Arbeitsweise sind die unterschiedlichen Grade der Ausführung. Das „finito“ und das „non finito“ stehen fast gleichrangig nebeneinander. Vollendet und geglättet ist nur das Gesicht von Maria als fast vollplastische Form, der Rest ist Flachrelief in verschiedenen Abstufungen.
Schön ist der Oberflächencharakter des Jesusknaben in der Bearbeitung mit feinem Zahneisen.

Ganz flüchtig und nur angedeutet ist der lockige Kopf des kleinen Johannes. Seine Gestalt geht auf in der Fläche darunter, die nur mit dem Spitzeisen behandelt ist. Michelangelos „non finito“ wirkt als wichtiges Gestaltungsmerkmal. Es wird zu einem Charakterzug vieler künftiger Werke.