Filippino Lippi, Cappella Strozzi in Florenz: die Kapelle befindet sich in Santa Maria Novella rechts von der Cappella Tornabuoni. Filippo Strozzi d. Ä. (1428-1491), der weit gereiste, erfolgreiche Bankier, beauftragt 1487 Filippino Lippi (ca. 1457-1502) mit der Ausmalung der Familienkapelle. Die Ausführung zieht sich wegen Filippinos Arbeiten in Rom bis 1502 hin.
Das Grabmal des Auftraggebers in der Mitte der Kapelle wird von Malereien in Grisaille umrahmt. Anders als Ghirlandaio zeigt Filippino keine Zeitgenossen in seinen Bildfeldern. Seine Szenen sind bewegter und dekorativer als die der Hauptchorkapelle.
Ornamentaler und inhaltlicher Reichtum mit Trombe l’oeil-Effekten

Gemalte Skulpturen, Reliefs und Architekturelemente bilden wie ein Trompe-l‘œil ein illusionistisches Ensemble gelehrten Inhalts. Oben tragen Engel Schilde mit den drei Mondsicheln der Strozzi. Lateinische Texte und Grotesken ergänzen die figürlichen Szenen. Es zeigt sich die Beschäftigung des Malers mit römischer Kunst der Antike.
Das Glasfenster an der Stirnwand entsteht auch nach Filippinos Entwurf. Unten sitzen die Hl. Philipp und Johannes der Evangelist. Darüber eine Madonna mit Kind und zwei Engeln, alles ornamental reich umrandet.
Auferweckungswunder an den Seitenwänden

Die Seitenwände zeigen auf Wunsch des Auftraggebers je ein Auferweckungswunder und darüber das Martyrium des Heiligen. Wie in der Legenda Aurea geschildert, holt Johannes der Evangelist, dem die Kapelle geweiht ist, Drusiana ins Leben zurück.

An der rechten Seitenwand eine weitere Szene nach der Legenda Aurea. Vor einem Tempel des Mars soll der Hl. Philipp ein Opfer bringen. Ein plötzlich erscheinender Drache tötet mit seinem bestialischen Atem einen Jungen. Philipp erweckt ihn wieder zum Leben.
Filippino Lippi, Cappella Strozzi: Grabmal und Allegorien der Stirnwand

An der Stirnwand umrahmen Malereien in Grisaille das Grabmal des Filippo Strozzi. Der Bildhauer und Baumeister Benedetto da Maiano (um 1442-1497), der ab 1489 den berühmten Palazzo Strozzi errichtet, hat es gestaltet. Es befindet sich hinter dem Altar und zeigt darüber im Halbrund fein gearbeitete Reliefs: einen Tondo mit Maria und Kind und vier schwebende Engel, entstanden 1491-1495.
On the front wall, paintings in grisaille frame the tomb of Filippo Strozzi. It was designed by the sculptor and master builder Benedetto da Maiano (around 1442-1497), who built the famous Palazzo Strozzi from 1489. It is located behind the altar and features finely crafted reliefs above it in a semicircle: a tondo with Mary and child and four floating angels, created in 1491-1495.
Filippino Lippi, Cappella Strozzi: Männliche Engel mit Totenköpfen

Links in der Mitte Caritas mit drei Kindern, die Allegorie der christlichen Liebe. Rechts davon ein rätselhafter männlicher Engel mit einem Totenkopf in der rechten und einem Knochen in der linken Hand. Einen Fuß setzt er auf einen Schädel.

Rechts des Grabmals Fides, die Allegorie des christlichen Glaubens. Links davon ein weiterer Engel mit einem Totenkopf. Die Fußhaltung ist noch rätselhafter als bei seinem Pendant. Außen zwei christliche Musen im Gespräch. Die linke setzt den Fuß auf eine Maske. Diese verkörpert die irdischen Illusionen, die mit dem Tod enden. Die rechte Muse hält eine Maske in der Hand. Das soll ein Symbol dafür sein, dass die Seele des Verstorbenen die Maske des Irdischen ablegt in Erwartung der Auferstehung.
Parthenice aus Arkadien

Linker Hand sitzt Parthenice, eine heidnische Muse, die auf Parthenion (= Berg der Jungfrau) in Arkadien lebt. Sie spielt die Leier, die kleinen Engel versuchen sich an Panflöte und einem weiteren Blasinstrument.
Filippino Lippi, Cappella Strozzi: es verbinden sich tiefer Sinn im Bildprogramm der Stirnwand und geistvolle Lebendigkeit der Figurenwelt zu einem Meisterwerk an der Schwelle zur Hochrenaissance.