Raffael, Madonnen: Madonna del Granduca, 1505/06, Öl auf Holz, 84 x 55 cm, Florenz, Palazzo Pitti

Raffaels große Karriere startet mit einer Reihe florentinIscher Madonnenbilder. Hier tritt Maria, nachdenklich nach unten blickend, als Dreiviertelfigur aus dem Dunkel. Leonardos Einfluss ist zu spüren. Leicht hält sie in natürlicher Weise ihr Kind, das den Betrachter aufmerksam ansieht.

Ein Münchner Juwel als Gast

Raffael, Madonna Tempi, detail, München, Alte Pinakothek

Ein Seitenblick auf ein Detail von Raffaels Madonna Tempi, um 1507, Öl auf Pappelholz, 75,3 x 51,6 cm, München, Alte Pinakothek. Das  Bild ist mir bereits seit den 1950er Jahren vertraut, als die Eltern es uns Kindern zeigten.

Das Jesuskind blickt mit kindlichem Ernst zum Betrachter. Wange an Wange ist Maria mit ihm eins. Sie ist ganz beglückte mütterliche Empfindung. In dieser Gestalt gewordenen Mutterliebe in innigster Vertrautheit übertrifft Raffael alle Vorgänger. Er entzückt vor allem das 19. Jahrhundert. Das Göttliche der Gestalten beruht auf einer großartigen Fähigkeit: es gelingt ihm das Menschliche in überhöhender Schönheit des Natürlichen auf scheinbar leichte Weise darzustellen.

Raffael, Madonnen: Gemälde in Florenz, Wien und im Louvre

Raffael, Madonna del Cardellino, Florenz, Uffizien

Raffael, Madonna del Cardellino, 1506/07, Öl auf Holz, 107 x 77 cm, Florenz, Uffizien

Mit den geschwisterlichen Bildern der Madonna im Grünen in Wien und der Belle Jardinière, der Schönen Gärtnerin, im Louvre, bildet dieses Gemälde ein Dreigestirn ganzfiguriger Madonnen in natürlichen, zum Hintergrund sich aufhellenden Landschaften. Die Kinder begegnen sich als ruhige Spielgenossen. Nichts deutet auf künftiges Geschehen hin. Für Raffael und die Gläubigen genügt dafür der ruhige Blick und die unterbrochene Lektüre der schönen Mutter. Es braucht nicht einmal das sonst übliche dünne Rohrkreuz des Johannes.

Der klassische Farbakkord von dunklem Rot und tiefem Blau hellt sich im Licht wie bei der Madonna del Granduca zu strahlender Intensität auf.

Raffael, Madonna del Cardellino, Florenz, Uffizien

Der kleine Johannes, dessen Fellumhang auf sein künftiges Leben in der Wüste hinweist, reicht dem Jesuskind behutsam einen Stieglitz.

Raffael, Madonnen: ein besonders nahbares Andachtsbild

Raffael, Madonna della Sedia, Florenz, Palazzo Pitti

Raffael, Madonna della Sedia, 1513/14, Öl auf Holz, Durchmesser 71 cm, Florenz, Palazzo Pitti

Das Rundbild ist eines der in Rom entstandenen Hauptwerke Raffaels. Als privates Andachtsbild, dessen Auftraggeber unbekannt ist, entsteht es in zeitlicher Nähe zur Sixtinischen Madonna. Die Einfügung der Figuren in die Bildform, die Pracht der Kleidung und Farben und die intensiven Blicke der drei machen das Gemälde zu einem Lieblingswerk des Publikums weltweit.