Masaccio, Dreifaltigkeit, entstanden 1425/28. Detail des folgenden

Ein aufgebahrtes Skelett unter einem Altar spricht uns an mit einem aufrüttelnden Satz. Er ist geschrieben in der Muttersprache der Gläubigen und nicht wie üblich in Latein. Seine unerbittliche Wahrheit ist im Kontext der Wandmalerei darüber eine Aufforderung, beizeiten über die Gegenwart hinauszudenken und sich der Dreifaltigkeit zuzuwenden. So wie es das Stifterpaar des Freskos tut.

Masaccio, Dreifaltigkeit: das sprechende Skelett

Masaccio, Dreifaltigkeit: das Skelett mit der aufrüttelnden Inschrift

Masaccio, Grab unter dem Altar, Santa Maria Novella, linke Seitenwand. Die Darstellung darüber zeigt die Dreifaltigkeit. Es ist eines der Hauptwerke der italienischen Renaissance. Gemalt von Masaccio im Format von mehr als 6 x 3 m in den Jahren 1425 bis 1428 parallel zu seiner Arbeit in der Cappella Brancacci. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Deutungen wurden dem Wandbild gewidmet.

Der Text über dem Skelett lautet: „IO FV GIA QUEL CHE VOI SETE EQUEL CHISON VOI ANCO SARETE“ („Ich war einst das, was ihr seid, und was ich bin, werdet auch ihr sein“). Die bisher nicht identifizierten Stifter knien auf der Platte darüber. Der Ehemann rechts vom Gekreuzigten war im Oktober 2024 durch Folien verdeckt.

Masaccio, Dreifaltigkeit, 1425/28: eingerüstet im Herbst 2024

Masaccio, Dreifaltigkeit, eingerüstet im Herbst 2024

Die Dreifaltigkeit oder Trinität mit Stifterpaar. Das Fresko soll restauriert werden. Für 1,50 Euro zur Unterstützung der Restaurierung durfte man das bereits errichtete Gerüst im Herbst 2024 besteigen.

Wenn derzeit auch keine befriedigende Gesamtansicht möglich ist, so sind dafür wie nie zuvor Details aus unmittelbarer Nähe zu entdecken. Dieses Schlüsselwerk der florentinischen Frührenaissance mit seiner bewunderten Zentralperspektive und dadurch bewirkten Raumillusion zeigt sich aus fast intimer Nähe.

Masaccio, Dreifaltigkeit aus unmittelbarer Nähe

Details des vorigen: Masaccio, Gottvater, die Taube des Hl. Geistes und der gekreuzigte Christus

Masaccio, Dreifaltigkeit: Gottvater besonders restaurierungsbedürftig

Der Freskotechnik gemäß führt Masaccio die Wandmalerei in Tagewerken (= Giornate) aus. Hier ist schwach zu erkennen, dass er den feuchten, frisch zu bemalenden Putz für den Kopf und noch seitliche Streifen des Gewölbes in einem Tag vollendet. Das Gold des Nimbus wird erst nach der Trocknung der Wandfläche „a secco“, also trocken aufgetragen. – Die Gesamtwirkung zeigt die Notwendigkeit restauratorischer Behandlung.

Kein Ausdruck von Schmerz, nur etwas Blut bei der Dornenkrone und der Stichwunde. Die Spannung der ausgebreiteten Arme zeichnet sich in den Rippen ab. Markierungslinien für den Kreuzesbalken im Kinn- und Stirnbereich.

Maria als Mittlerin für das Stifterpaar und die Gläubigen

Masaccio, Dreifaltigkeit: Maria als Mittlerin für die Gläubigen

Maria, die Mutter Christi, ist nicht alterslos wie meist, sondern eine ältere Frau. Sie fordert durch Geste und direkten Blick die Gläubigen auf, es ihr gleich zu tun und die Dreifaltigkeit zu verehren. Der schmale Mund, die lange Nase, ihr leichter Silberblick und die etwas hochgezogenen Brauen geben ihrem Gesicht einen ganz besonderen, in Erinnerung bleibenden Charakter.

Großartig ist die Würde und Ruhe des Christus, den Masaccio wie im Schlaf malt.

Restauratorischer Handlungsbedarf

Die Detailaufnahme lässt an der rechten Wange, vom rechten Nasenflügel abwärts, beim Kinn und weiter unten am Gewand fein gestrichelte Flächen erkennen. Das sind Zonen einer früheren Restaurierung.

Johannes Evangelist, darüber eine „giornata“ mit Kapitellen.

Besonders eindrucksvoll ist auch das markante Profil der unbekannten Stifterin mit klarem Blick.

Masaccio, Dreifaltigkeit, unbekannte Stifterin