Ghiberti und das Paradiesportal: als Vorstufe zu dem weltbekannten Meisterwerk der Kunst des Reliefs zeige ich ein Detail von Andrea Pisano.

Faszination Florenz – Ghiberti und das Paradiesportal: Vorstufe Andrea Pisano

Andrea Pisano (ca. 1290-1348), Phidias oder die Kunst der Bildhauerei, Florenz, Museo dell’Opera del Duomo, um 1340

Ich starte meine Bilderserie von Meisterwerken der Skulptur und Malerei in Florenz mit berühmten Reliefs von der Nordseite des Campanile. Der Bildhauer arbeitet in seiner Werkstatt an einer männlichen Skulptur.

Andrea Pisano, Apelles oder die Kunst der Malerei, um 1340 

Der Maler sitzt in seiner Werkstatt auf angekipptem Hocker an der Staffelei. Über ihm ein kleiner Flügelaltar, rechts ein großer. Phidias und Apelles, die großen Vorbilder der griechischen Antike, gelten als Stifter bzw. Schutzpatrone künstlerischer Tätigkeit.

Der berühmte florentinische Wettbewerb: die Konkurrenzreliefs von 1401

Faszination Florenz – Ghiberti und das Paradiesportal: Konkurrenzrelief von Brunelleschi

Filippo Brunelleschi, Opferung Isaaks, 1401, Museo del Bargello, Bronze, vergoldet, ca. 45 x 38 cm

Abraham will gerade seinen Sohn Isaak durch einen Stich in den Hals töten, da fällt ihm der Engel in den Arm. Die Bildelemente hat Brunelleschi (1377-1446) klar und spannungsreich neben- und übereinander angeordnet. Darunter unten links eine Variante des antiken Dornausziehers.

Faszination Florenz – Ghiberti und das Paradiesportal: Ghiberti Konkurrenzrelief von 1401

Lorenzo Ghiberti, Opferung Isaaks, 1401, Bronze, vergoldet, ca. 45 x 38 cm

Ghiberti (1378-1445) komponiert diagonal und in fließenden Bewegungen. Die Wirkung ist geschlossener und dynamischer als bei Brunelleschi. Die beiden weltberühmten Vierpassreliefs sind die einzig erhaltenen von einem Wettbewerb unter sieben Teilnehmern und Gegenstand zahlreicher Analysen. Es geht um die Gestaltung des Ostportals des Baptisteriums. Ghiberti gewinnt wegen der Art seiner Darstellung und geringerer Herstellungskosten. Brunelleschi ist verletzt. Er wendet sich weitgehend von der Skulptur ab und der Architektur zu.

Ghiberti und das Paradiesportal: sein erster Auftrag für das Baptisterium San Giovanni

Faszination Florenz – Ghiberti und das Paradiesportal: das erste Portal, gerichtet nach Osten

Lorenzo Ghiberti, Szenen des Neuen Testaments, Museo dell‘Opera del Duomo, vom Nordportal des Baptisteriums (dort heute ein Abguss), 1403-1424, Bronze, vergoldet

Bis zur Fertigstellung der sog. Paradiestür am Hauptportal gegenüber von der Kathedrale. Dann versetzt auf die Nordseite. 20 der 28 Vierpässe schildern 20 Szenen aus dem Leben Jesu, angeordnet über den vier Evangelisten und den vier Kirchenvätern. 

Faszination Florenz – Ghiberti und das Paradiesportal: Verkündigung vom ersten Portal

Lorenzo Ghiberti, Verkündigung an Maria, Nordportal des Baptisteriums San Giovanni

Die drei Gestalten und die Taube des Hl. Geistes bezaubern durch klare Anordnung, Anmut, Eleganz und zarte Empfindung.

Frühlingshaft wie die florentinische Frührenaissance

Anbetung von Hirten und Königen

Faszination Florenz – Ghiberti und das Paradiesportal: Geburt Christi vom ersten Portal

Lorenzo Ghiberti, Geburt Christi, Nordportal des Baptisteriums San Giovanni 

Maria lagert schräg über dem Jesuskind, darunter Ochs und Esel. Die Andeutung einer Felsenhöhle wird vom schlafenden Joseph unten verdeckt. Darüber erblicken die Hirten einen Engel. Dieser wendet sich an sie mit der Linken und weist ihnen mit seiner Rechten den Weg nach Bethlehem. Ein Meisterwerk in der Mitte der Tür, auf diesem und dem nächsten Feld signiert.

Lorenzo Ghiberti, Anbetung der Könige, Nordportal des Baptisteriums San Giovanni

Die noble Architektur der Verkündigung wird erweitert, um den Unterschied zur Landschaft der Hirten zu verdeutlichen.

Ghiberti und das Paradiesportal

Faszination Florenz – Ghiberti und das Paradiesportal, sein Meisterwerk, das Original heute in der Opera del Duomo

Lorenzo Ghiberti, Szenen des Alten Testaments, Museo dell‘Opera del Duomo, vom Ostportal des Baptisteriums (dort ein Abguss), 1425-1452, Bronze vergoldet

Die unerhörte Weiterentwicklung im Vergleich zu Ghibertis erstem Portal hin zu einer quasi malerischen Darstellung perspektivisch wiedergegebener Räume löst von Anbeginn Begeisterung aus. Ghiberti verbindet auf meisterliche Weise Flach- und Hochrelief. Von Michelangelo soll der Name „Paradiestür“ stammen.

David und Goliath

Faszination Florenz – Ghiberti und das Paradiesportal: die häufige Szene mit David und Goliath

Ghiberti, Paradiestür, Schlacht mit David und Goliath, Detail

David genauso wie Judith erscheinen in Florenz mehrfach als Retter ihres Volkes. Deshalb tauchen sie auch hier wiederholt auf. Das Selbstverständnis von Florenz als sich behauptender Stadtstaat spiegelt sich in dieser Themenwahl. „Ghiberti und das Paradiesportal“ ist mein Einstieg in Kunsterlebnisse, wie sie nur wenige Städte weltweit zu bieten haben.

Detail des vorigen, David enthauptet Goliath. Soldaten schauen zu. Die Überlegenheit des jungen Hirten mit seiner Schleuder macht 1504 Michelangelos Skulptur zu einem Sinnbild für den Verteidigungswillen der Stadt Florenz.