Raffael, Ehepaar Doni, Florenz, Uffizien: Maddalena Strozzi (1489-1540) und der reiche 30jährige Tuchhändler Agnolo Doni (1474-1539) heiraten am 31. Januar 1504 in Florenz. Eine Woche zuvor ist die Entscheidung einer Kunstkommission zur Aufstellung von Michelangelos David gefallen. Die Skulptur soll nicht wie geplant weit oben im Chorbereich des Domes stehen, sondern vor dem Palazzo della Signoria. Dort ist sie seit 521 Jahren (heute als Kopie) noch immer zu bewundern.
Kaufmann und Kunstfreund

Der von Vasari als sehr sparsam, aber kunstliebend beschriebene Kaufmann gewinnt gewiss enorm an Ansehen, als er Michelangelo den Auftrag für den inzwischen weltbekannten Tondo Doni erteilt. An der Entscheidung ist vermutlich auch seine junge Ehefrau beteiligt, da ihr Wappen, aber nicht seines den Rahmen ziert.
Eine gleichfalls bedeutende Tat für die Geschichte der Kunst ist die Entschluss der Eheleute sich von Raffael (1483-1520) porträtieren zu lassen. Das Detail zeigt nicht nur die exzellente Malweise des jungen Künstlers, sondern einen eindrucksvollen Kopf mit sehr direktem, doch etwas verhaltenem Blick.
Raffael, Ehepaar Doni: Entsprechung in Haltung und Hintergrund

Raffael, Ehepaar Doni: In dem Doppelbildnis sitzen die Eheleute gegenläufig schräg zur Landschaft, sodass sie sich deutlich als zueinander gehörig präsentieren.

Raffael, Porträt Maddalena Strozzi, verh. Doni, 1504/06, Öl auf Lindenholz, 63,5 x 45 cm, Florenz, Uffizien
Das Bildnispaar ist zunächst ein Diptychon, das durch Scharniere verbunden ist, sodass auch die rückseitige Malerei betrachtet werden konnte. Die längst getrennten Tafeln sind seit 2018 nicht mehr im Palazzo Pitti, sondern frei im Raum neben dem Tondo Doni aufgestellt.
Raffael beginnt mit dem Porträt Maddalenas. Zunächst ist ein Innenraum mit Landschaftsausblick geplant (wie radiologische Aufnahmen verraten), dann aber stattdessen ein einheitlicher Landschaftsraum, der beide Bilder verbindet. Bei dem Frauenbildnis orientiert sich Raffael an Leonardos Mona Lisa. Sfumato und Rätselhaftigkeit sind aber nicht seine Sache. Er liebt klares Licht, Helligkeit, entsprechende Farben und genaueste Wiedergabe, sodass die Malerei und Gestalt eine unerhörte Präsenz ausstrahlen. Mit Ruhe und Ernst blickt die junge Frau zur Seite.
Ein vornehmer Bürger mit beringter Hand

Raffael, Porträt Agnolo Doni, 1504/06, Öl auf Lindenholz, 63 x 45 cm, Florenz, Uffizien
Der Ehemann, gleichfalls eine elegante Erscheinung, blickt mit großer Ruhe auf den Betrachter. Beide Eheleute sind selbstbewusste und würdige Repräsentanten der Oberschicht ihrer Stadt.
Ob es zur Ausführung der Gemälde in direktem Zusammenhang mit der Hochzeit kommt, ist fraglich. Maddalena wirkt doch wesentlich älter als 15jährig. Auch ist beiden zunächst familiärer Segen versagt. Es sterben mehrere ihrer Kinder, womit die Rückseite in Verbindung stehen könnte. Erst 1507 überlebt eines.
Raffael, Ehepaar Doni: einmalige Rückseiten nach Ovid

Rückseite der Tafel des Ehemannes: monochrom bemalt von einem namenlosen, nicht sehr bedeutenden Zeitgenossen, dem man nach seinem Hauptwerk Meister von Serumido in der Kirche San Pier Gattolino benannt hat. Der Schattenstreifen oben rührt von dem freistehenden Bildkasten her.
Dargestellt sind auf den beiden Rückseiten Hauptszenen der Geschichte von Deukalion und Pyrra nach Ovids Metamorphosen I, 315 ff. Die Runde der Götter ist mit der ruchlosen Menschheit so unzufrieden, dass sie eine Sintflut mit Sturm auslöst. Alle Menschen ertrinken bis auf ein ganz altes Paar.
Steine werden zu Menschen

Rückseite der Tafel von Maddalena Doni
Die Sintflut ist zu Ende, die Wassermassen gehen zurück. Nur die lauteren alten Eheleute Deukalion und Pyrra haben überlebt. Nach der Befragung des Orakels im kleinen Tempel auf der Bergkuppe werfen sie Steine hinter sich. Die von Pyrrha verwandeln sich in Frauen und die von Deucalion in Männer.
Im Kontext von Raffaels Bilderpaar darf dieser Mythos als Hoffnung auf Kindersegen verstanden werden.

Raffael, Selbstbildnis, 1504/06, Öl auf Holz, 47,3 x 34,8 cm, Florenz, Uffizien
Dieser etwas verträumt und scheu wirkende junge Mann mit Anfang zwanzig steht gleichrangig neben Leonardo und Michelangelo. Entstanden in der Zeit der Doni-Porträts.
Danke lieber Christian für die Portraits von Raffael! Die Gesichter sprechen einen direkt an, wie alte Bekannte.