Domenico Ghirlandaio, Anbetung der Hirten und Szenen aus dem Leben des Hl. Franz von Assisi in der Kirche Santa Trinita, 1483/86, Cappella Sassetti in Florenz

Antonio Rossellino (1427/28-1479) bzw. zuletzt Andrea del Verrocchio (1435-1488) zugeschrieben, Francesco Sassetti, um 1464, Marmor, Florenz, Museo del Bargello
Die Büste von Francesco Sassetti (1421-1490), Bankier und einflussreicher Vertrauensmann der Medici, orientiert sich im Gesichtsausdruck wie im Gewand an römisch-antiken Vorbildern. Zugleich wird die Individualität und der entschiedene, hellwache Charakter einer Schlüsselfigur des florentinischen Quattrocento deutlich.

Francesco Sassetti erwirbt 1478 die Kapelle in Santa Trinita und schließt am 25. Dezember 1480 einen Vertrag mit Domenico Ghirlandaio (1449-1494). Die Ausführung der Altartafel und Fresken erfolgt von 1483 bis 1486. Der erfolgreichste und produktivste Maler der Stadt schafft ein großartiges, noch heute gut erhaltenes Bilderensemble, das sein Hauptwerk und eines des florentinischen Quattrocento ist. – Wegen der schwierigen Lichtverhältnisse beschränke ich mich auf die Hauptwand.
Piazza Santa Trinita mit Arno-Brücke

Domenico Ghirlandaio, Auferweckung eines toten Kindes, Santa Trinita, Cappella Sassetti. Wie bei allen Fresken handelt es sich um eine Szene mit dem Hl. Franz von Assisi, dem Namenspatron des Stifters. Das posthume Wunder wird in das späte 15. Jh. verlegt. Berühmt ist die dargestellte Örtlichkeit: das damalige Aussehen des Platzes vor Santa Trinita mit dem Blick zur Brücke über den Arno. Unter den zeitgenössischen Personen sind links die Töchter Sassettis und rechts einzelne ihrer Ehemänner zu sehen.

Detail des vorigen. Unter den Männern sticht vor allem die großartige Rückenfigur ins Auge. Der majestätische Faltenwurf des Mantels erinnert an Masaccio in der Cappella Brancacci. Rechts am Rand blickt Ghirlandaio selbstbewusst auf den Betrachter.
Detail of the previous one. Among the men, the magnificent back figure is particularly striking. The majestic drapery of the cloak is reminiscent of Masaccio in the Cappella Brancacci. Ghirlandaio looks confidently at the viewer on the right-hand edge.
Cappella Sassetti in Florenz: Piazza della Signoria

Das obere Fresko ist noch berühmter: die Bestätigung der Ordensregel der Franziskaner. Sie vollzog sich 1209 in Rom. Bei Ghirlandaio spielt sie jedoch in Florenz. Im Hintergrund sieht man die Piazza della Signoria, den Palazzo Vecchio und die Loggia dei Lanzi. Rechts am Rand stehen Francesco Sassetti und sein Sohn Federico. Neben ihm mit schwarzem Haar Lorenzo de‘ Medici, der mit einer Geste emporsteigende Personen begrüßt. Es sind der Dichter Angelo Poliziano mit seinen Söhnen Giuliano, Piero und Giovanni (Papst Leo X.).

Domenico Ghirlandaio, Anbetung der Hirten und Stifterpaar. Die 1485 datierte Altartafel und die Realitätsnähe der Figuren bezeugen den unmittelbaren Einfluss des Portinari-Altars von Hugo van der Goes (1435/40-1482). Das riesige Triptychon aus den Niederlanden trifft 1483 in Florenz ein (heute in den Uffizien).
Cappella Sassetti in Florenz: Nera und Francesco Sassetti

Cappella Sassetti in Florenz, Domenico Ghirlandaio, Nera Sassetti (1444-1507) aus der angesehenen Familie der Corsi kniet als etwa 40jährige Stifterin in einer gemalten Marmornische. Unter ihr und ihrem Mann ist das Datum des Vertragsabschlusses mit Ghirlandaio zu lesen. Sie ist an der linken Seitenwand in einem Grabmal bestattet, das Giuliano da San Gallo (um 1445-1516) gestaltet hat. Es ist das einzige für eine verheiratete Frau in Florenz im 15. Jh.

Aus der Ferne wirken die betenden Stifter in ihren gemalten Marmornischen fast wie Figuren eines Flügelalters. Sie übertreffen an Größe die Gestalten des Bildes. Dieses erhält dadurch auch ein wenig den Charakter einer Vision.

Fast zwei Jahrzehnte liegen zwischen der gezeigten Marmorbüste und diesem Bildnis. Sassetti ist für seine Zeit mit knapp 65 Jahren ein alter Mann. Ghirlandaio malt ihn wie seine Frau als würdevolle Einzelperson und feiert damit auch seine mäzenatische Leistung.
Einfluss von Hugo van der Goes‘ Portinari-Altar

Domenico Ghirlandaio, Anbetung der Hirten, linke Altarseite. Maria betet ihren göttlichen Sohn an, der auf ihrem Mantel vor einem antiken Sarkophag liegt. Joseph blickt hinauf zu einer felsigen Höhe, über der ein Engel den Hirten erscheint. Darunter zieht das Gefolge der Hl. Drei Könige durch ein Triumphtor. Die ferne, detailreiche Landschaft verrät Ghirlandaios Bewunderung des Portinari-Altars.

Rechte Altarhälfte: noch mehr als in der Landschaft zeigt sich die Auseinandersetzung mit dem Meisterwerk von Hugo van der Goes in der Darstellung der Hirten. Das sind nicht mehr idealisierte Gestalten biblischer Vergangenheit, sondern Zeitgenossen, deren Gesichter und Hände von Individualität und Arbeit zeugen.

Ein Detail mit einer Adlocutio, einer Ansprache an römisches Militär, oberhalb der Nische mit dem Sarkophag von Francesco Sassetti.
Das Stifterpaar in Nahsicht

Domenico Ghirlandaio, Stifterin Nera Corsi, verheiratet mit Francesco Sassetti

Marmorbüste Francesco Sassetti, s. oben. Der als Bankier und auch sonst einflussreiche Florentiner mit energischem Gesichtsausdruck in seinen frühen Vierzigern

Domenico Ghirlandaio, Francesco Sassetti, eine Schlüsselfigur im Umfeld der Medici. Eines der vielen Meisterbildnisse des florentinischen Quattrocento.
Danke lieber Christian für den Besuch bei Francesco Sassetti mit Hilfe von Domenico Ghirlandaio. Was für schöne Bilder!
Herzlich dankend
Willi