8. November 2018

Fondation Louis Vuitton, vor 4 Jahren eröffnet, im Westen von Paris, am Nordrand des Bois du Boulogne: ein faszinierender und verwirrender Bau von Frank O. Gehry, bestimmt als Ausstellungshaus für das Luxusimperium LVMH.

 

Laut Gehry ein „Eisberg“, umgeben von geblähten Segeln. Es stellen sich aber auch Assoziationen zu Formen von Fischen, Zeppelinen und monsterartigen Schalenwesen ein.

 

Das Primat liegt bei eindeutig bei der atemberaubenden Architektur, die ein Feuerwerk an Einfällen und spektakulären Lösungen bietet.

 

Nachgeordnet ist eindeutig die Funktionalität als Ausstellungshaus. Raumfolgen und ihre Ausrichtung sind etwas labyrinthisch, so auch die Anordnung der Aufgänge und Treppenhäuser.

 

Eine genauere Erinnerung an besuchte Räume ist kaum möglich. So bleiben die Präsentation von „Egon Schiele“ in etwas beklemmenden Kellerräumen und das Raumwirrwarr über vier Geschosse für „Jean-Michel Basquiat“ nicht recht befriedigend.

 

Vom Wasserspiegel im Nordosten führt eine Wassertreppe zum Untergeschoss herab. Alles spiegelt sich abenteuerlich in den geschwungenen Glassegeln darüber.

 

Die Gehry so lieben Fische schweben über der Cafeteria.

 

 


Fluchtwege sich vorzustellen ist oft vertrackt, hier aber ganz besonders.

 

Aufgang zu den Dachterrassen

 

Wunderbare Ausblicke auf Paris

 

Bois du Boulogne in Richtung Südwesten

 

Richtung Nordwesten

 

Bois du Boulogne und sein Villensaum in Richtung Nordosten

 

Ingenieurskunst heute und vor 130 Jahren: der Eiffelturm in Richtung Südosten

 

Innenseite der Außenwand bei einem Treppenabgang

 

Alles in allem: ein Bau, der dem Imponiergehabe von LVMH einen glänzenden Auftritt beschert, Inhalte aber hintanstellt. Daneben wirkt Gehrys Guggenheim-Museum in Bilbao, inzwischen gut 20 Jahre alt, fast wie ein Museumsklassiker.

 

Wohl keines der Produkte von LVMH ist lebensnotwendig. Kommt man aus der Sainte-Chapelle, aus dem Jahrhundert Dantes, so mag man auch an damalige Kategorien des Lasters denken, an „Überfluss“ und „Hochmut“. Ihre Nutznießer erleiden im „Inferno“ von Dantes „Divina Comedia“ schreckliche Strafen. Diese Erinnerung stellt sich zwar in diesem freundlichen Architektur-Dino Gehrys nicht unmittelbar ein, doch möchte ich dort nicht viel Zeit verbringen, geschweige denn dort arbeiten. Es ist wie ein Überdruss an zu viel Champagner.
Vielleicht erklärt das auch ein wenig den Anklang von Bauten mit schlichten Satteldächern von Herzog & de Meuron in Colmar, Weil am Rhein oder Berlin. Nach LVMH-Protz und -Prunk schmeckt wieder Schwarzbrot.
Der Weg zurück zum altvertrauten Paris beginnt bei einer spektakulären Spectacle-Litfaßsäule.