16. Juli 2018

Eine Wohnstraße im Nordwesten Stuttgarts:
nach dem Kanalbau im Jahr 1928 steht 90 Jahre später eine Kanalsanierung an.

Angekündigt Wochen zuvor, ist sie seit 3 Monaten auf 160 m Länge im Gang. Gesperrt ist die Straße davor und dahinter noch um ca. weitere 80 m wegen der Zufahrt der Baufahrzeuge.

Striktes Halteverbot während der Arbeitszeit (7 Uhr bis ca. 17 Uhr) und zudem noch Zufahrtserschwernisse außerhalb dieses Zeitraums führen zu manchem Unmut bei Anwohnern, die in der näheren Umgebung kaum Parkplätze finden.

Noch unangenehmer und nervenbelastend ist der ununterbrochene Lärm der Fahrzeuge, der Bagger, Stampfer und des Motors der Entwässerungspumpe. Selbst Lärmschutzfenster helfen kaum. – Was müssen dann erst die Bauarbeiter ständig für Jahre und Jahrzehnte aushalten?!

 

Das Gruppenfoto zeigt von rechts die Herren Arnold, Reebig, Aviboun, Schöllhammer, Denzinger sowie Struwe.

Die ersten fünf bilden den eigentlichen Arbeitstrupp. Eingespielt tätig, kommunizieren sie bei hohem Lärmpegel – oft mit Gehörschutz – fast wortlos durch Gesten. Dabei gehen sie freundlich miteinander um und bleiben das auch gegenüber Fragen von Laien. Anordnendes Gebrüll, wie manchmal auf Baustellen zu hören, gibt es nicht.

Das direkte Gespräch offenbart, dass dieser Art Arbeit fast nie Lob gezollt wird. Das ist für mich der Grund, diese sechs „Nachbarn auf Zeit“ hier mit einem ihnen gewidmeten Beitrag zu ehren und jeden einzelnen auch mit einem eigenen Bild.

Mein Vorschlag überrascht und verwundert die Betroffenen zunächst. Ihre Zustimmung erfolgt nach interner Rücksprache – ohne meine Anwesenheit.

 

Unser Haus liegt am oberen Ende des Sanierungsbereichs. Tag für Tag nähert sich der Arbeitstrupp. Den auf die Nerven gehenden Krach überlagert allmählich die bewundernde Beobachtung des Arbeitsstils. Anerkennung stellt sich wie von selbst ein.

Arbeitsbeginn um 7 Uhr vor dem Haus, wobei als erstes Müllcontainer zu einem für die Abfuhr leicht zugänglichen Ort gebracht werden müssen.

 

 

 

Der Baggerfahrer beugt sich vor, um so weit wie möglich in die Tiefe zwischen die seitlich stabilisierenden, metallenen Verbauelemente zu sehen. Vier Kollegen verfolgen sein Tun, das absolute Genauigkeit und Vorsicht erfordert, denn einer arbeitet unten neben der Baggerschaufel.

 

 

Durch kurze Rüttelbewegungen sichert Herr Reebig das ausgehobene Erdreich in der Schaufel, bevor er damit die Halbkreiswendung zum Laster macht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gelenkstück des Radbaggers mit Greifer hat einen Kopf mit Augen, Nase, Zähnen und breitem Schnauzbart.

Doch wurde das nicht erdacht, um wie bei mittelalterlichen Wasserspeiern Dämonen abzuschrecken, sondern nur konstruiert, um den Erfordernissen einer Baumaschine zu genügen.