2. Juni 2018

 

Ein grausiges Bild von Gewalt und Entschlossenheit.

Das Geschehen steht nicht im Zusammenhang mit der MeToo-Debatte. Der Mann ist nicht Harvey Weinstein, noch ein sonst Übergriffiger unserer Zeit. Auch die beiden Frauen – eine reich Gekleidete mit kräftigen Armen und ihre Dienerin – sind für uns unbekannte Gesichter.

Aber die Darstellerin dieser Szene kennen wir. Es ist die Malerin Artemisia Gentileschi (Rom 1593 – 1653 Neapel), eine große Künstlerin des italienischen Barock, die sich zu Lebzeiten Anerkennung erringt, dann aber für Jahrhunderte in Vergessenheit gerät.

Ihren drei Brüdern als angehende Malerin überlegen und von ihrem Vater, dem Maler Orazio Gentileschi, gefördert, geht sie zu dessen Kollegen Agostino Tassi in die Lehre. Mit 18 wird Artemisia von Tassi vergewaltigt und im sich anschließenden Prozess noch vielfach erniedrigt. Sie läßt sich jedoch nicht brechen.

Mit dem alttestamentarischen Thema „Judith enthauptet Holofernes“ hat sich Artemisia mehrfach beschäftigt – hier ein Ausschnitt aus dem Gemälde in den Uffizien. Drastischer ist das Geschehen kaum vorstellbar. Obgleich kräftig, kann Judith das schwere Schwert wohl kaum als Hiebwaffe einsetzen, sondern sie nutzt es mit Anstrengung und Abscheu und schneidet dem trunkenen Holofernes mühsam den Hals durch. Blut fließt und spritzt.

Die schreckliche Szene ist ein Befreiungsakt: Judith rettet durch die Ermordung des assyrischen Feldherrn ihr Volk Israel und Artemisia heilt vielleicht ein wenig eigene Erfahrungen.

A. B. L. Kein Wunder bei der Biographie…da würde ich auch nur wahlweise dieses Thema oder die Enthauptung des Johannes wählen.
Christian von Holst Im Gegensatz zu Holofernes war aber Johannes d.T. ein Tugendbold, der nur enthauptet wurde, weil er den Reizen der Salome widerstand. Vgl. dazu die wunderbare frühe Oper „Salome“ von Richard Strauss mit dem verführerischen „Tanz der sieben Schleier“.