7. November 2019

Der erste wie der letzte Gang in Paris gilt Notre Dame. Heute bei besseren Lichtverhältnissen, deshalb nochmals das gleiche Eingangsmotiv.

Auf dem Weg dorthin präsentiert sich Paris auf dem Weg zur Green City. Statt bisherigem Gegenverkehr auf vielen Strecken nur noch Verkehr in einer Fahrtrichtung, dafür vielfach eigene Fahrspuren, die sich Busse, Taxis und massenhaft Radfahrer teilen.

Der Pflanzenwuchs an Häusern nimmt zu. Hier beim Maison Sauvage bei Saint-Germain-des-Prés in fast wüster Weise. Doch eine Berührung zeigt: keine Spur von Natur, alles ist nur Kunst.

Wieder Flaneure auch am Samstagmorgen bei der noblen Schwerverletzten.

Abends beim Gang zur Opéra Bastille merkte ich, dass der Blick von einer entfernteren Brücke einen besseren Aufschluss über den Zustand des Baus vermittelt als einer aus der Nähe.

Blick von der Isle St. Louis

Von hier aus sieht man, das Feuer hat dem Bau den Skalp, wenn nicht die Schädelkalotte genommen. Die behelfsmäßig abgedichteten Chorfenster haben keine Glasflächen mehr. Die kreisrunde Rahmenform wird von spitzbogigen Stegen gehalten. Diese wiederum werden von horizontalen und diagonalen Balken gestützt, sodass die Chorwand in dieser Krisenzeit eine ephemere ornamentale Gestaltung aufweist – gewissermaßen traurig-schön.

Der Zufall führt uns erstmals an der Ostspitze der Isle de la Cité zu einer überwiegend unterirdischen Gedenkstätte für die mehr als 200.000 französischen Bürger, die im Dritten Reich von Deutschen ermordet wurden. Die sehr eindrucksvolle Darstellung (ohne irgendeine antideutsche Note) stammt aus den 50er und frühen 60er Jahren, als de Gaulle und Adenauer das Wunder der Freundschaft der beiden seit Jahrhunderten zerstrittenen Völker in die Wege leiteten. Nie wieder werden deutsche Militärs Paris besetzen wie hier im Sommer 1940.

Verdammt seien diejenigen, die die ungeheuren Naziverbrechen als „Vogelschiss der Geschichte“ verharmlosen und auch diejenigen, die auf andere geschichtsvergessene oder -verdrängende Weise sich damaligem Gedankengut wieder annähern. 

Geschrieben im TGV, einem Freundschaftsband zwischen Frankreich und Deutschland.