Alles Folgende widmet sich der sog. Kulturmeile = Konrad-Adenauer-Straße = Neckarstraße = B14. Die Vogelschau von 1949, Foto HdG, zeigt die Oper und die desolate Situation an der B14. Vor der Oper die Künstlerauffahrt mit dem Schicksalsbrunnen, links davon ein zerstörtes Wohnhaus, auf der anderen Seite das erhaltene Reithaus. Rechts der Eugenstraße die vormals bekannte Schiedmayer Pianofortefabrik vor ihrem Abbruch.

1958/59: Vogelschau auf Ulrich- und Neckarstraße Richtung Neues Schloss, Foto VBA. Hinter der Tankstelle ein Flügel der Carlsakademie mit Toren für frühere Kutschen. Links die Ecke der Alten Landesbibliothek. Alles abgerissen.

Mitte 50er Jahre: Antonio Salucci, Ehem. Kgl. Reithaus, Foto VBA. Der stattliche Bau des besten klassizistischen Architekten Stuttgarts, gelegen an der Neckarstraße zwischen Carlsakademie und Oper, übersteht den Krieg unbeschadet.

1959, 27. Januar: Abbruch des Reithauses, Foto VBA. Es steht der neuen B14, dem neuen Landtag und der Bundesgartenschau im Weg. In der Ferne sieht man den Rosengarten Königin Olgas, der noch unversehrt ist, mit Skulpturen an ihren Bestimmungsorten – alles mit Thourets großartigem Gesamtkonzept des Schlossgartens 1959/60 beseitigt.

1912: Max Littmann widmet seinen „Hoftheatern“ im Eröffnungsjahr eine eigene Publikation. Hier die Front des Großen Hauses an der Neckarstraße, zurückgesetzt um ca. 16 m, um dem Künstlereingang einen Vorplatz zu gewähren. 

Ein Schnappschuss vom Landtag aus, der im März 2018 Teile der Oper zeigt. Den Regenbogen sehe ich als Hoffnungszeichen, dass dem Großen Haus nicht so etwas widerfährt wie 1972 der Alten Staatsgalerie. 

1912 und noch heute: die Längsfront von Max Littmanns Oper. Glaubt man wirklich, ein solch bedeutendes Bauwerk außen verändern und aus dem Lot bringen zu dürfen ???

Der gleiche Blickwinkel im Februar 2020.

Wäre die Veränderung dieser homogenen Längsfront nicht die gleiche Freveltat wie die Durchbohrung der Flügel der Alten Staatsgalerie ? Das wurde 1972 als hinnehmbar betrachtet und ist längst ein Symbol für den brutalen Umgang mit den Kulturbauten in autotrunkenen Zeiten. Kann man sich vorstellen, heute die Flügel des Neuen Schlosses zu durchbohren, um vielleicht Radfahrern freie Fahrt zu bieten ?