25. September 2019

Zum Schluss Amboise. In aller Welt sind das Städtchen und sein Name ein Begriff, in der Geschichte Frankreichs als Königssitz, in der Kunst als letzter Lebensort von Leonardo da Vinci.

Schon aus der Ferne bauen sich die Häuserreihe über der Loire, die Festungsmauern und der Schlossbau wirkungsvoll zu einer eindrucksvollen Kulisse inmitten von Grün auf.

Der Zufall lenkt uns zu problemlosem Parken auf die Insel vor der Stadt und schenkt uns eine Fußwanderung entlang der Loire mit guter Sicht auf die ganze Breite der ehemaligen Schlossanlage.

Nach W breitet sich von der Brückenmitte die Flusslandschaft aus, mit zwei alten, flach gebauten Booten, wie die Loire sie erfordert.

Jacques Androuet du Cerceau: die Schlossanlage um 1576, Foto Wikimedia

Wenn man sich dank du Cerceau vergegenwärtigt, dass der Königssitz einmal eine Art Stadt auf einem Felsen über Amboise war, bietet das heutige Schlossplateau nur noch einen eindrucksvollen Torso. Als erstes trifft man auf die gotische Hubertus-Kapelle von 1493, einst Teil des Logis der Königin, zu sehen bei du Cerceau oben rechts.

Vom Festungsturm im NW eine weitere Sicht auf die harmonische Loirelandschaft

Vom Schloss ist der L-förmige Haupttrakt geblieben, das Übrige wird Opfer der Französischen Revolution oder im 19. Jh. abgebrochen. Karl VIII. (1470-98), in Amboise geboren, seit 1483 König, heiratet 1491 die 14jährige Anne de Bretagne (1477-1514), macht sich mit ihr an den Bau des linken Flügels. Auf Militärzügen nach Italien lernt er wie seine Nachfolger Ludwig XII. (1462-1515) und Franz I. (1494-154) die dortige Renaissance schätzen, holt italienische Fachleute nach Amboise. Der Neubau zeigt noch die spätgotische Formensprache, der rechte Bauteil, von Ludwig XII. und vor allem Franz I. vorangetrieben und um ein weiteres Geschoss mit italienischen Pilastern erweitert, präsentiert den dann typischen französischen Renaissancestil.

Der schöne Kamin ist ein Zeugnis der Ehe von Karl mit Anne: es begegnen sich das Emblem Karls, das umflammte Schwert, die Lilien Frankreichs und Hermelinfelle, das Zeichen seiner Frau und Symbol ihrer Reinheit. Entsprechend ist ihr Wappenfeld gestaltet.

Karls und Annes Wohnflügel. Die Ehe dauert nicht lange. Karl stirbt 1498 nach einem Stoß seines Kopfes gegen einen Türsturz. Nach dem ihre vier Kinder allesamt bereits verstorben waren, wird die junge Witwe und Königin von Karls Cousin und Nachfolger Ludwig XII. geheiratet, wohnt mit ihm aber vorwiegend in Blois.

Ein Blick flussaufwärts. Die heutige Gartengestaltung orientiert sich an der Aufteilung der Renaissance.

Die Sicht auf Schloss und Fluss nach W zeigt neben dem Flügel von Ludwig XII. und Franz I. auch den berühmten Minimenturm, dank dessen wie bei seinem Pendant auf der Südseite Reiter und Kutschen das Schlossplateau problemlos erreichen konnten. Von seiner Terrasse bieten sich besonders schöne Rundblicke.

Unser Rundgang endet mit dem Abstieg durch den stadtseitigen Reiterturm.

Mein Loire-Bericht endet am 3. November 2019 mit „Leonardo“.