11. Oktober 2019

Im Westen von Tours liegt Villandry, dessen Schlossanlage ein Muß für alle Gartenfreunde ist. Alles ist hier phänomenal: es gibt über eintausend Lindenbäume, zusammen 52 km Buchsbäumflächen, über 100 Tsd. Blüh- und Gemüsepflanzen, die jährlich gepflanzt und zu 50 % in eigenen Treibhäusern gezogen werden usw.

Errichtet wird Villandry in den 1530er Jahren als eines der letzten Renaissanceschlösser an der Loire von Jean le Breton, einem Rat und Staatssekretär von König Franz I.. Ein mittelalterlicher Eckturm und die Wassergräben bleiben bestehen. Der Dreiflügelbau ist von ansprechender Form und Dimensionierung. Nach einigen Besitzerwechseln wird im 19. Jh. ein englischer Garten angelegt.

1906 erwirbt der spanische Arzt und Forscher Joaquín Carvallo (1869-1936) das Anwesen dank seiner vermögenden amerikanischen Frau Anne Coleman. Nach Beseitigung barocker Zutaten des Schlosses und des englischen Parks legt er einen Renaissancegarten an, der sich an den Wiedergaben des Jacques du Cerceau von 1576 und an archäologischen Grabungen orientiert. Seitdem entsteht und gibt es das Gartenparadies von Villandry, dem sich alle nachfolgenden Carvallos bis heute verpflichtet fühlen.

Wir folgen der Wanderempfehlung, gehen zunächst auf die Terrassen des 18. Jh., um die drei Gartenparterres auf unterschiedlichen Höhen zu übersehen.

Blick von einem Aussichtspunkt im ansteigenden Waldgelände

Der am höchsten gelegene, auf optische Ruhe zielende Wassergarten ist vollständig wie auch die sich nach W anschließenden Bereiche von einer Art Kreuzgang aus Linden eingefasst.

Von dort sieht man auf Teile des Ziergartens mit Buchsbepflanzung.

Der Wassergraben, der die Ziergärten mit Buchs und auf tieferer Ebene den Schlossbereich vom Gemüsegarten trennt.

Am Ende des Wassergartens des westlichen Ziergartens steigen wir zum Gemüsegarten hinab.

Zweimal im Jahr wird der Gemüsegarten neu bepflanzt – unter Berücksichtigung des notwendigen Pflanzentauschs und der jeweils gewünschten neuen Farbkonstellationen. Dazu bedarf es einer mehrjährigen genauen Vorplanung. 10 hauptamtliche Gärtner sind in Villandry beschäftigt.

Stamm- und sonstige Rosen tragen zur Gartenpracht entscheidend bei.

Bei dem Rundgang durchs Schloss und Aufstieg von Geschoss zu Geschoss bis hinauf zur Turmterrasse bieten sich immer bessere Überblicke, hier auf den schlossbreiten Ziergarten in Richtung Süden.

Mit Salat- und Kohlsorten werden im Sinne de Renaissance faszinierende, ästhetische Muster und Strukturen geschaffen, die zum Durchwandern in allen Richtungen einladen.

Nichts von dem Gemüse von Villandry darf verkauft werden. Es wird an Mitarbeiter, Bewohner des Dorfes und Besucher an bestimmten Terminen verschenkt. – Vielleicht in Zukunft ein Grund, statt auf den hiesigen Wochenmarkt mal kurz nach Villandry zu fahren.

Der schlossnahe Teil des Buchsgartens hat folgende Themen: Zarte Liebe oben rechts mit Herzen und Flammen; Leidenschaftliche Liebe vorne rechts mit gebrochenen Herzen wie bei dem provenzalischen Tanz Farandole; Unbeständige Liebe vorne links mit Schmetterlingsflügeln und Fächerformen; Tragische Liebe oben links mit Formen von Dolchen und Schwertern. Die Farben der noch nicht ganz aufgeblühten Blumen sollen die jeweilige Situation untermalen.

Nach dem anregenden Gang durch die Schlossräume, die den Lebensstil der Carvallos und ihre Kunstsammlung zeigen, Ankunft auf der Turmterrasse: Blick auf den bereits bekannten Wassergraben.

Zum Schluss der Schlosshof und die Weite der Touraine in Richtung Norden. Im Wasser bei den Brücken erwarten gierige Karpfen Gaben von den Besuchern.

Weiter geht’s am 18. Oktober 2019 mit „Azay-le-Rideau“.