4. Oktober 2019

Im Vergleich zu den bisher besuchten Schlössern fällt das etwas höhere Alter und der wehrhafte Charakter des Schlosses auf. Das zeigt sich vor allem in den mächtigen Rundtürmen. Die exponierte Lage auf einem Felsen über dem Fluss führt generationenlang zu Kämpfen zwischen den Herren von Blois und Amboise. Schließlich wird dieser Bau von Pierre d’Amboise und vor allem seinem Sohn Charles II., einem hohen Militär und Haushofmeister von König Ludwig XII., von 1465 bis 1511 errichtet.

Ehrfurcht gebietend ist der Zugang über eine Zugbrücke. 1560 erwirbt die verwitwete Katharina von Medici das Schloss. 25 Jahre hatte das Leiden wegen Diane de Poitier gedauert. Endlich kann sie sich an der mächtigen Maitresse ihres Mannes rächen. Sie nimmt ihr das wohnliche Schlösschen Chenonceau ab und weist Diane den großen und kühlen Bau von Chaumont zu. Diane zieht es vor, ihre letzten Lebensjahre zurückgezogen auf ihrem Besitz Anet bei Paris zu verbringen.

Nach mehreren Besitzwechseln wird 1810 Madame de Staël von Napoleon hierher verbannt. Sie vollendet auf Chaumont ihr Werk „De L’Allemagne“, umgeben von Schöngeistern, darunter auch August Wilhelm Schlegel und Adalbert von Chamisso.

Der Innenhof zeigt in dem Zusammenwirken von spätgotischen und einigen italienischen Elementen die Stilstufe des Schlossflügels von Karl VIII. und seiner Frau Anne de Bretagne, die uns in Amboise erwartet.

Dreht man sich um, so versteht man eine nachhaltige Maßnahme um 1740: der flussseitige Flügel wird der Aussicht wegen abgerissen.

So gibt es seitdem nicht nur von den Fenstern, sondern vor allem von der Terrasse hinreißende Blicke auf die Loire und ihre Landschaft. Die Loire ist der einzige naturbelassene Fluss Frankreichs, weil sie sich mit ihrem meist niedrigen Wasserstand und den Sandbänken seit je normaler Schiffbarkeit weitgehend widersetzt. Daher bietet sie ein fast einmaliges Schauspiel unter all den regulierten und in ein brauchbares Bett gezwungenen Flüssen Europas.

Der Blick flussaufwärts. Der ständige Wolkenwechsel könnte zu ganzen Bilderserien verlocken.

Der Park nicht minder. Angelegt in seinen ältesten Teilen um 1715, in den jüngsten um 1870/80, überrascht er mit einem grandiosen Baumbestand.

Mehrere Zedern haben so lange und tiefe Äste, dass sie den Boden berühren und z. T. auch darin verschwinden, um mit frischem Grün wieder aus der Erde hervorzuwachsen.

Im Vordergrund heuchelt ein Mädchen Schmerz, um ihren Vater zu necken.

Gegen Abend sieht man beim Abschied vom Flussufer aus, dass das Schloss und die Häuserzeile ihren Namen Chaumont-sur-Loire zu Recht tragen.

Weiter geht’s am 11. Oktober mit „Villandry“.