13. September 2019

Mit dem Rad leicht zu erreichen, liegt auf halbem Weg von Cheverny nach Blois das kleine Schloss Beauregard/Schönblick. Zunächst Jagdsitz von König Franz I., kauft es der Humanist Jean du Thier, Staatssekretär seines Sohnes Heinrich II. (vgl. Nr. 56: Chenonceau).

Thier errichtet um 1550 einen Neubau, der nur z. T. erhalten und in seinem Renaissancecharakter durch Dachgauben u.a. leicht verändert ist. Immer bewohnt, seit 1926 im Besitz der Grafen Chevron du Pavillon, fragt man sich, wie bei den wenigen Besuchern eine solche Anlage erhalten werden kann.

Die Hauptattraktion und weltweit einzigartig ist die Galerie des Illustres/Berühmtheitengalerie. 1617 erwirbt Paul Ardier, früherer Schatzmeister von Heinrich IV., das Schloss und lässt den Salon im 1. Geschoss mit 327 Porträts von französischen Herrschern seit dem 14. Jh. und ihren Schlüsselfiguren schmücken. Auch Persönlichkeiten anderer Länder sind vertreten. Deckenmalerei und die der Wandvertäfelung sind von besonderer Qualität. Einmalig auch der Boden, gefliest mit 5600 handgemalten Delfter Kacheln, die einem militärischen Aufmarsch des 16. Jh. darstellen.

Etwas betreten sind wir in dem weiträumigen, im 19. Jh. englisch gestalteten Park unterwegs. In der Porträtgalerie sahen wir eine DIN A4-große militärische Anordnung (die ich leider nicht fotografierte), unterzeichnet „v. Stülpnagel“. Darauf wird der historischen Rang des Schlosses hervorgehoben und deshalb jegliches Betreten verboten.

Diese verantwortungsvolle Schutzmaßnahme tröstet nicht über anderes Verhalten deutscher Truppen im 2. Weltkrieg an der Loire und sonst in Frankreich hinweg. Die Unterzeichnung des Befehls muss von einem der zwei hohen Militärs einer uckermärkischen Familie stammen. Otto Edwin von Stülpnagel (1878-1948) war 1940-42 „Militärbefehlshaber Frankreich“. Er beging in Paris vor dem Prozess wegen seiner Kriegsverbrechen Selbstmord. Ihm folgte in gleicher Funktion ein entfernter Verwandter nach: Carl-Heinrich von Stülpnagel (1886-1944). Dieser war an der Verschwörung des 20. Juli gegen Hitler beteiligt und versuchte sich nach deren Scheitern zu erschießen, wobei er erblindete. Am 30. August 1944 wurde er in Berlin verurteilt und hingerichtet.

Auch im heutigen friedlichen Zusammenleben mit Frankreich darf und muss man sich solcher Vergangenheit erinnern, um nie wieder in frühere Positionen zu verfallen.

Am 20. September 2019 widme ich mich der „Magie in Blois und Muse in Talcy“.