2. August 2019

Regentag: Statt in nassen Parks unterwegs zu sein, kommt mir bei meinem Interesse an Tiergärten der Gedanke, lieber einen Zoo zu besuchen. Tierhäuser versprechen zeitweilige Trockenheit.

Wir fahren zum ZooParc de Beauval bei Saint-Aignan. Etwa 30 km südlich von Cheverny gelegen, gegründet 1980 als Vogelpark, erwarten wir ein kleines Areal bei einer kleinen Stadt. Weit gefehlt und welche Überraschung – inzwischen Jahr für Jahr ausgebaut, ist Beauval der meistbesuchte Zoo Frankreichs und einer der beliebtesten weltweit. Auf hügeligem Gelände bietet er zwischen altem Baumbestand sehr große Areale, wie sie uns in Tierparks sonst nirgends begegnet sind. Und darin jeweils große Tierfamilien, oftmals gemischt mit andersartigen Tieren der gleichen Herkunftsregion.

Als naher Verwandter mehrerer Verhaltensforscher bin ich – vielleicht genbedingt – ein Freund genauer Tierbetrachtung. Deshalb auch hier Konzentration auf Weniges, zunächst auf die Schönheit einer Boa constrictor in einem trockenen Reptilienhaus.

Eine weitere Boa, zu erkennen an der anderen Zeichnung unter dem Auge, vermittelt die Vorstellung früherer Menschen von Drachen. Vergrößert könnte Siegfried gegen sie kämpfen.

Im Auge spiegelt sich, wenn auch schwer entzifferbar, der Raum.

Bei zischelnden Lauten „riecht“ die Boa mit ihrer gespaltenen, schnell hervorgestoßenen und vibrierenden Zunge.

Weiter heraus geht es nicht.

Leider kann ich mich im Auge dieser Boa nicht erkennen. Sonst hätten sich die folgenden Selfies erübrigt.

Selfie in halber Winterkleidung zwischen Seekühen und Arapaima, die sich oben in der Wasseroberfläche spiegeln. Die griechische Mythologie kennt die Seekühe als schön gewachsene, aber teuflisch verführerische weibliche Sirenen, denen der schlaue Odysseus auf seiner Irrfahrt nur trickreich entgeht.

Eine brenzlige Situation für einen Stoiker: ein Arapaima, ca. 2 m lang und 100 kg schwer, umhalst mich, der zweite scheint das iPhone verschlingen zu wollen.

Diese beiden Selfies zeigen auch, dass ewig vergnügte, meist grinsende Selbstdarstellungen für mich und von mir nichts taugen, weil sie zu wenig vom Tun und den Gedanken einer Person aussagen. Narzisstisch gesehen, sind sie aber aufschlussreich und der Humus von FB.

Die Löwenfamilie mit neun Mitgliedern dreier Generationen wirkt etwas desorientiert auf nassem Gras, doch zum Glück gibt es Tiere die hohe Luftfeuchtigkeit schätzen. Die großen Gruppen von Elefanten, weißen Tigern, Nashörnern, Primaten, afrikanischen Tieren der Savanne, weißen Wölfen etc. gehören nicht dazu. Wer Lust hat – es waren aber wenige beim Regen – kann auch den Zoo mit einer Gondelbahn überqueren.

Zum 40jährigen Bestehen des Zoos im nächsten Jahr ein neues Highlight: der Dôme équatoriale, ein riesiger Kuppelbau von 65 m Höhe und 106 m Durchmesser, der die tropische Tierwelt präsentieren wird und 3000 Besucher gleichzeitig aufnehmen kann. Googelt mal!

Weiter geht’s am 16. August 2019.