11. März 2018

KUNST & KOMMERZ 2007 in Berlin:

Vereinnahmung weiblicher Schönheit als Werbemittel für Kunstausstellung und Bademode – so heute kaum mehr möglich.

Die „Geburt der Venus“ von Alexandre Cabanel (1823-1889) ist beim Pariser Salon 1863 eine Sensation, beschert dem Maler den großen Durchbruch. In gleicher Weise zeigt seine Fassung von 1875 (Metropolitan Museum of Art, New York) das Erwachen der aus Meerschaum geborenen Göttin der Liebe und Schönheit. Geflügelte Eroten bejubeln das Ereignis. Der Plakatausschnitt steigert das Laszive der Pose. Venus‘ Körper wendet sich vornehmlich an männliche Betrachter.

Das Ausstellungsplakat wirbt mit dem Slogan: „Die schönsten Franzosen kommen aus New York“ – der Ausschnitt des Gemäldes aber lockt mit der „schönsten Französin.“

Foto 2007 beim Potsdamer Platz: das Plakat gerahmt mit den Farben der Tricolore.

 

Potsdamer Straße: Werbesäule 2007 vor mehr als 10 Werbeständern der Kunstausstellung in der benachbarten Neuen Nationalgalerie.

Die Werbesäule daneben bietet in steilem Format eine ähnlich anzügliche Bikini-Präsentation mit wehendem Tuch. Die Assoziation Sturm (der Leidenschaft) stellt sich ein. Als erotisierende Zutat fungiert feiner Taillenschmuck.

Solche bildliche Werbung sowie der witzig-schräge Titel der Ausstellung versprechen Erfolg. Es bilden sich Schlangen vor der Neuen Nationalgalerie. Gegen Ende ist die Ausstellung rund um die Uhr, Tag und Nacht geöffnet. Mehr als 670.000 Menschen pilgern zu Cabanels schlaftrunkener, französischer Liebesgöttin.

E. W. „geile“ MOMA – Vermarktung – oder etwa nicht? Heute so nicht mehr möglich? Aber anders…

W. K. Dafür muss man nicht nach Berlin fahren :-)Solche Bilder sehen wir hier in Stuttgart auch sehr sehr oft.

Christian von Holst Nicht das Bikinibild ist interessant – so etwas gibt es in der Tat überall. Aber das Nebeneinander von Model und Venus, von Foto und Malerei – Verführungsversuch beide mal –, das dürfte schon ziemlich selten anzutreffen sein. – Siehe den Text zum Vergleichsbild.