4. Januar 2019

Wird der künftige Stuttgarter Hauptbahnhof eine „Elbphilharmonie“ des Schienenverkehrs, ein vielleicht nicht nur europa-, sondern weltweit einzigartiges Meisterstück unter den Verkehrsbauwerken ?!

 

Vom Damm, der zu den einzelnen Stationen der Baustelle führt, zunächst ein Blick in Richtung Norden. Vor dem Steg zwischen dem alten Bahnhof und dem Gleisbereich zwei gelb verhüllte Kelchfüße, die einmal das Bahnhofsdach mittragen werden.

 

Der Blick nach Nordosten zeigt links hinten die seit kurzem fertige, erste Kelchstütze und rechts daneben die nächste in Konstruktion.

 

 

Die ca. 10 m hohe Kelchstütze mit einem Gewicht von rund 2000 Tonnen ruht auf einem ovalen Kelchfuß von ca. 2 qm Fläche. Er trägt die ganze Last der Konstruktion, die oben in der Kelchblume einen Durchmesser von 32 m und damit eine Fläche von gut 800 qm hat. Das „Lichtauge“, das hier leicht geneigt ist, hat jeweils einen Durchmesser von 16 m und ist etwa 200 qm groß.

 

Keine der Kelchstützen kann in dieser Bauphase allein stehen – deshalb der Stützenkranz. Erst die Verbindung mit den anderen Kelchstützen über verbindende Deckenbereiche wird die nötige, bisher so noch nie erprobte Stabilität ergeben. Der Architekt des Bahnhofs, Christoph Ingenhoven aus Düsseldorf, und sein technisch kongenialer Bauingenieur Werner Sobek aus Stuttgart vollbringen gemeinsam innovative Meisterleistungen.

 

Das Copyright dieser Visualisierungen liegt beim Bahnprojekt Stuttgart-Ulm. Ich habe die Darstellungen wie manche folgende von den Infotafeln abfotografiert.

Oben rechts und unten kann man gut erkennen, dass die seitlichen Bahngleise auf wirkungsvolle Weise von einer nach innen geneigten Wand begrenzt werden, einer sog. Brillenwand. Wir dürfen uns auf dynamische und elegante Raumwirkungen freuen.

 

Nach heutiger Auskunft von Fachingenieuren werden pro Kelchstütze 32 000 Armierungsstäbe benötigt. Per Computerprogramm für jeweils nicht austauschbare Stellen geformt, wird allein ihre Verteilung von 15 Fachleuten überwacht.

 

Herstellung der Bewehrung einer Kelchblüte

 

Der Kelchfuß ist unten heller als im später hergestellten oberen Teil. Chemische Prozesse lassen mit der Zeit die Stützen immer weißer werden.

 

Materialmuster für den Beton bei der schon älteren und daher besonders hellen Musterkelchstütze.

 

Die bereits ausgeführte Kelchstütze ist in dieser Visualisierung hier vorne links zu sehen.

 

Die Wirkung der ca. 200 qm großen „Lichtaugen“ mit 16 m Durchmesser ist bereits zu ahnen.

In vergleichbarer Weise war bei der Neuen Staatsgalerie von James Stirling auch bereits im Rohbau der Rang eines architektonischen Meisterwerks zu erkennen. Stirlings seit den frühen 1980er Jahren vielbewunderte Pilzkopfstützen aus Beton, die sich von altägyptischen Vorbildern herleiten, wirken neben der Komplexität und Dimension dieser Stütze geradezu zierlich und bescheiden.

 

Eigentlich braucht man diese Visualisierung gar nicht. Allein schon die seit kurzem vollendete erste Kelchstütze und die zahlreichen Kelchfüße genügen, um sich den lichten Wald von insgesamt 28 Kelchstützen vorzustellen und die helle, kühne und absolut einmalige Raumgestaltung des neuen Bahnhofs.

Ich bin überzeugt, dass er einer der eindrucksvollsten Verkehrsbauwerke nicht nur Europas, sondern weltweit sein wird. Man könnte sagen, mit diesem Stuttgarter Bahnhof entsteht eine Art „Elbphilharmonie“ des Schienenverkehrs.

Eine weitere Aussicht erfüllt mich mit Vorfreude: nicht nur die Befürworter des einstmals so umkämpften Projekts, sondern auch seine früheren Gegner dürften begeistert sein. Wir kennen Vergleichbares in Stuttgart von der Weißenhofsiedlung, dem Fernsehturm oder der Neuen Staatsgalerie.