8.März 2018

Ein Vorschlag zur Güte: nach Generationen brutaler sprachlicher Männervorherrschaft sollten wir in der Nationalhymne endlich die Worte „Mutterland“ und „schwesterlich“ verwenden.

Der vorhersehbare dümmliche Männerprotest könnte mit „Vatersprache“ abgemildert werden. Als weiteres Ausgleichsmittel gäbe es die Möglichkeit wie in romanischen Ländern zu sagen: „der Sonne“ und „die Mond“. In diesem Sinne sang bereits die emanzipierte Marlene Dietrich 1929 im „Blauen Engel“ sonnenartig: „Männer umschwirren mich wie Monde das Licht und wenn sie verlöschen, ja dafür kann ich nicht.“

Das Wort „Vaterhaus“ ist gleichfalls nicht mehr tragbar. „Mutterhaus“ muss es heißen, worin die Hausmutter ihre Töchter bemuttern und ihre Söhne bevatern kann.

Auch gilt nun in Friederike Schillers Wilhelmine Tell die Rütli-Schwur:
„Wir wollen sein ein einzig Volk von Schwestern,
die Männerworte meiden wie Gefahr.
Wir wollen frei sein, wie die Mütter waren,
eher den Tod, als in der Magdschaft leben.“

Wappentiere müssen gleichfalls geändert werden. Stuttgart ist fein raus mit ihrer Stute. Aber das Mutterland B-W steht schlecht da mit ihrem Löwen.

Es soll bereits einen Kunstwettbewerb für eine Löwin geben. Zugelassen ist als Alternative auch ein neues Wappentier: eine Juchtenkäferin. Diese soll aber so gestaltet sein, dass ihr Gatte keinesfalls ermutigt würde, sie als Frau völlig inkorrekt und männlich überheblich „mein süßer Käfer“ zu nennen.

Mit diesem Wettbewerb gehen Kunst und Sprache blühenden Zeiten entgegen. Die wirklich ernsten Probleme unserer Jahre können endlich fraulich-friedlich angegangen werden.

 
 

Antonio Isopi, Ein Löwe als Wappentier Württembergs, um 1810, Stuttgart, Schlossplatz, aufgenommen 2010
 

Stadtplan Stuttgart, 1807