8. März 2019

Rückblick auf den Besuch von Ronchamp im Juni 2018

Jahrzehntelang gibt es in Ronchamp nur eine völlig unbefriedigende Zugangssituation zur Wallfahrtskirche Notre Dame du Haut. Als man schließlich über eine Verbesserung der Situation und sogar an ein kleines Kloster nachzudenken beginnt, stößt dies auf heftigen Widerstand der „Fondation Le Corbusier“. Die Freunde und Verehrer Ronchamps befürchten eine Beeinträchtigung der Architekturikone.

Im Zusammenwirken mit dem berühmten Landschaftsgestalter Michel Corajoud (1937-2011) wird im Südwesten der Hügelabhang so geplant und bebaut, dass jeweils nur die Gebäudefronten von unten sichtbar und die Räumlichkeiten im Erdreich bzw. durch Bepflanzung verborgen sind. Von Hügelplateau aus sind diese Zutaten nicht wahrnehmbar. Im Nachhinein erscheint der ehemalige Widerstand unverständlich. Renzo Piano erweist durch Behutsamkeit und Verzicht auf einen eigenen großen Auftritt seinem noch größeren Kollegen auf sehr würdige Weise Reverenz.

Vom Parkplatz aus erreicht man als erstes Renzo Pianos „Porterie“, das kleine Besucherzentrum: darin in der Mitte ein großer Kamin zum Aufwärmen und Trocknen in Winter- und Regenzeiten, ein kleiner Ausstellungsbereich links sowie Kasse und Shop zur Rechten. Von dort geht es hinauf zunächst zu zwei Nebenbauten von Le Corbusier.

Auf dieser Ebene folgen sich Empfangsraum, Bibliothek und am Ende der öffentliche Gebetsraum bzw. das Oratorium des Klosters. Im Bereich darunter, der nicht zugänglich ist, befinden sich 12 Zellen für die Nonnen und 8 Gästezimmer für Menschen, denen es hier für kürzere Zeit um spirituelle Vertiefung geht.