18.Januar 2019

Ab 9 Uhr auf dem Hügel Bourlémont, für eine Stunde allein, dann wenige Besucher. Eine total andere Stimmung als abends zuvor. Alles klar, vielfach leuchtend, selbst die fahlweißen, rau verputzten Wände: Geborgenheit und Transparenz in einem.

 

Ein Lichtglanz erfüllt den Raum. „Ex oriente lux“, daran scheint sich Le Corbusier gehalten zu haben. Das einzige große Fenster befindet sich an der Ostwand und wirft wunderbares Streiflicht auf die südliche Wand. Die massiv wirkende, doch schalenartig konstruierte Decke scheint über der gewölbten Altarwand zu schweben, genauso wie über der rechten Wand. Sie ruht auf Stahlbetonträgern. Die Lichtstreifen unter der Decke vermitteln den Eindruck von Schwerelosigkeit. Analog zur Decke ist auch der Boden nicht eben. Altarraum und Stuhlreihen sind durch niedrige Betonpodeste erhöht.

Schlichte Ausstattung, alles in Beton: der Altar, die kubische Kanzel, dahinter der Zugang zur Tür, die zur Außenkanzel der Ostwand führt.

 

Wie ist dieses optische Phänomen zu erklären? Die im starken Gegenlicht nicht sichtbare, weil überstrahlte Madonnenstatue erscheint links unterhalb auf dem Kopf stehend in Farben, die wohl dem Regenbogenspektrum angehören. – Innerhalb einer kleinen Reihe von Aufnahmen dieser Wand ist es die einzige, die diese Lichterscheinung zeigt. Beim Fotografieren ist sie mir nicht aufgefallen.

 

Der Altarbereich von Süden

 

Die kleinen Fensteröffnungen, die man außen an der Südseite sieht, sind durch die Stärke der Wand zu Schächten erweitert. Sie geben der zurückgeneigten und in sich verzogenen Wand Vielfalt und Lebendigkeit. Dazu trägt bei frontaler Betrachtung auch die Farbigkeit der Fenster sowie der 3 x 3 m große, tonnenschwere Haupteingang bei. Die um ihre Mittelachse drehbare Tür wird nur an Wallfahrts- und Festtagen geöffnet. Ihre emaillierte Fläche hat Le Corbusier selbst geschaffen. Davor steht ein konisches Weihwasserbecken aus Beton.

 

Die durch den Weitwinkel etwas verzerrte Aufnahme der Südwand mit ihren reichen Gegenlicht- und Seitenlichteffekten. Wie die Türfläche stammen auch die 27 Fenster von Le Corbusier, gestaltet aus Grundfarben, Bildzeichen und knappen Worten, z. B. nach dem Ave Maria.

 

Ein Fensterschacht der Südwand veranschaulicht Le Corbusiers räumliches und malerisches Gestalten.

 

Zwei Beichtstühle in der Westwand, angeordnet im Stil von Altarflügeln.

 

 

Ein Beichtstuhl vor der Nordwand beim Zugang zur westlichen Turmkapelle. Auf dem Stuhl Informationsfolien in vielen Sprachen.

Fortsetzung mit „Ronchamp III – Innenansichten am Morgen : Kapellen“ folgt am 15. Februar 2019.